Zylinderkopfdichtung beim 440er erneuern

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Moin


Die Karre zwitschert beim Kaltstart ja schon einige Wochen, klingt seltsam, dauert aber nur die ersten Schläge. Langsam macht sich auch ein leichter schwarzer Nebel zwischen den Motorrippen breit. An sich wollte ich ja noch just nach Hamm zum Dieseltreffen fahren, ist nicht weit, 100 km. Das habe ich mir nach dem Warmlaufen dann lieber verkniffen, da es immer noch gezwitschert hat. Also, am Sonntag noch just 27 km von der Freundin in die heimische Tiefgarage und dann ans Werk.


[Bearbeiten] Zerlegen

Erst einmal baut man alles ab, was im Weg ist, Tank leeren und abschrauben, Lüfterabdeckung ab, Auspuff ab. Dann das gesamte Einspritzsystem abschrauben, ordentlich auf die Seite packen und Öffnungen verschließen. Dann geht es ans Eingemachte: den Zylinderkopfdeckel abschrauben und ebenfalls auf die Seite legen, Kipphebel demontieren, Vorsicht, nicht die Scheiben oder Schrauben in den Steuerschacht fallen lassen!!!! Anschließend die Stößelstangen ziehen, alles ordentlich beiseite legen und zwar so, dass es auch keine Schwierigkeiten mit der Reihenfolge gibt. Als nächstes kommt der Kopf ab, die Schrauben erst nur ein wenig über Kreuz lösen, dann ganz losdrehen, die kleinen M6 Schrauben am Steuerschacht nicht vergessen. Sind alle Schrauben, vier große 2 kleine los und entfernt, kann man den Kopf abziehen, eventuell ein wenig mit einem Holz oder Kunststoffhammer nachhelfen.

Anschließend kann man mit dem Reinigen beginnen. Das kann man mit einer Messingdrahtbürste machen oder einem kleinen Schaber, aber auf keinen Fall die Dichtflächen beschädigen.

Dazu erst mal einige Bildchen.

Hier sieht man schon deutlich, wo das Zwitschern entsteht
Im Kopf sind die zwei Ventile, gross ist Einlass und klein ist Auslass, in dem Loch steckt die ESD
So sieht es dann von der Kolbenlaufbahn her aus, die Riefe ist entweder vom Kolbenringstoss entstanden, oder durch Dreck, der angesaugt wurde. In diesem Falle aber nicht schlimm, da sie nicht fühlbar ist. Eine etwas breitere befindet sich noch gegenüber, aber auch nicht fühlbar
So sieht das dann mit abgenommenen Kopf aus
Der Kolben mit muldenförmigen Brennraum


So ist alles schön sauber und die Dichtung liegt auch schon bereit, jetzt kann man zusammenbauen.

[Bearbeiten] Zusammenbauen

Dichtung ist da, nur hatte ich inzwischen so viel Langeweile, dass ich mir noch eine aus Alu gebaut habe... mal sehen ob die hält und wie es mit weniger Verdichtung geht. Aber gleich vorweg, kauft euch 'ne fertige, es ist 'ne Mordsarbeit das Ding mit Stichsäge und so auszuschneiden, dann hat man meistens auch nicht das richtige Material, in meinem Fall hatte ich nur hartes Alu in 2 mm stärke, orginal ist etwa 1 mm angesagt. Damit sinkt die Verdichtung von 20,3 auf nur noch etwa 16 zu 1. Normalerweise sollte man auch weiches Alu nehmen, das lässt sich dann aber auch schlechter verarbeiten. Alu hat auch den Nachteil dass der Schmelzpunkt niedriger ist als bei Kupfer, ich werde berichten!

So zum Einbau, nach der Feinbearbeitung sollte man alle Flächen reinigen und entfetten, dann wird hinten im Bereich des Steuerschachtes ganz dünn Dichtungsmasse aufgetragen, es sollte eine hitzefeste sein, ultracoper oder vergleichbar, wer will kann noch ein wenig um den Zylinder rum aufbringen, ist aber an sich unnötig. Dann wird der Kopf aufgesetzt und die dünn eingeölten Bolzen eingeschraubt, so weit das sie aufliegen. Zum Anziehen erster Schritt mit 20 Nm, dann mit 40 Nm und zum Schluss mit 50 Nm. So jetzt brauchen wir einen Winkelmesser, in selber Reihenfolge wird der bolzen 60 grad weiter gedreht, ist man rum wird das ganze noch mal wiederholt und alle Bolzen noch mal mit 60 Grad weiter gedreht, also muss am ende jeder mit 120 Grad gedreht worden sein. So sagen es das englische Handbuch und auch Herr Beckedorf. Ich weiss es nicht ob das zu viel ist ... werde aber meine Kenntnisse mitteilen .


So dann will ich mal ein wenig berichten wie die Geschichte weiterging.

Die Alu-Dichtung hat ja die Verdichtung herabgesetzt, war vom Motorlauf klasse, schön leise und gleichmäßig, nur die Verbrennung und der Kaltstart waren nicht so berauschend, auch drehte sie sehr zäh aus und hatte bestimmt 2-3ps weniger. Es musste was geschehen, die Kupferdichtung musste rein, also wieder 'nen Samstag lang Arbeit.

Die Dichtung bekommt man mit etwas Glück bei Herrn Beckedorf. Vor dem Einbau sollte sie nachbearbeitet(ich habe an dieser Stelle geschlampt!!!) und geglüht (mangels Erfahrung auch geschlampt) werden. Also wie beschrieben habe ich gleich alle Fehler auf einmal gemacht. Das Nacharbeiten hatte ich auf Entgraten beschränkt, man sollte aber mit der Feile den inneren Durchmesser plus etwas Toleranz auf das Kolbenmaß anpassen. Macht man das nicht, kann es vorkommen dass wie bei mir der überstehende Kolben an die Dichtung schlägt, das klingt dann bei laufenden Motor etwa so, als wenn einer zwei Fünfmarkstücke in die Kolbenmulde geworfen hat die jetzt munter ihr Unwesen treiben, also schön anpassen und mehrmals durch Auflegen und Drehen des Motors kontrollieren das nix anschlägt, lieber nen bisschen Luft geben!

Das Glühen war zu zaghaft mit dem Brenner, am besten steckt man das Teil für 10 Minuten in die glühende Holzkohle eines Kohleofens, dann ab damit ins kalte Wasser, sie ist dann so weich, dass sie sich bei unachtsamem Anfassen schon verformt! Am besten testet das mal mit einem Rest Kupfer vom Dachdecker.

Ist das erledigt werden die Bolzenlöcher ausgepustet und die Dichtflächen vom Block und Kopf sorgfältig entfettet, anschließend wird dünn Hochtemperatur-Silicon-Dichtung aufgetragen, das ist hauptsächlich dazu da, um den Steuerschaft gründlich abzudichten.

Dann wird der Kopf aufgelegt und ausgerichtet, die Stehbolzen sollten normalerweise neu sein, es sich um Dehnschrauben handelt, ich habe die alten genommen, sie werden leicht eingeölt...nicht triefend nass! Die Bolzen werden angesetzt und leicht fest gezogen, am besten mit dem T-Griff. Dann am besten noch mal den Kolben über den OT bewegen und fühlen, ob nix anschlägt! Ist alles ok kann kreuzweise angezogen werden, im ersten Durchgang mit 25 Nm dann im zweiten mit 50 Nm, dann wird laut Angaben in derselben Reihenfolge eine Drehung von 60° gemacht, ist man durch noch mal 60° in derselben Reihenfolge ...ich habe mich nicht getraut ... habe zwei mal 45° genommen. So dann alles andere montieren, die hinteren Schrauben werden mit 10 Nm angezogen. Stoßstangen und Kipphebel auflegen, leicht anziehen und schauen, dass sie richtig einrasten ,dann Schraube mit 20 Nm anziehen. Ventildeckel montieren und Schrauben mit 10 Nm anziehen. Alles andere montieren, was so abgeschraubt wurde.

So. Zurücklehnen. Kaffee oder Bier her und wer mag nee Kippe an. Auf keinen Fall jetzt versuchen zu starten, die Hydrostößel müssen sich erst setzen, die sind auseinander gegangen beim Zerlegen... laut Handbuch dauert das etwa 4 Stunden ... ich musste zeitweise 12 Stunden warten bis sich der Motor antreten lies. Nach ca. 4 Stunden kann man noch mal testen ob sich alles frei dreht, unter Umständen haben sich dann aber die Hydros dann aber noch nicht genug gesetzt und der Kolben klickt an die Ventile... warten!

Ist alles passiert kann man antreten, achtet auf Geräusche die nicht normal sind, leichtes Ventilklappern sollte nach einigen Sekunden verschwinden, das liegt daran das noch kein Öldruck da ist und die Stoßstangen noch leer sind.

Sollte jetzt doch noch was direkt an der der Kopfdichtung durchschlagen wird es nicht weiter schlimm sein, zumindest wird der Kupfer nicht wegbrennen und ein Loch lassen wie es bei der originalen passieren kann... es setzt sich auch noch mit der Zeit ein wenig.

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