Werkstatt Vordere Duplexbremse
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So ab und an ist es erforderlich, die Bremsen einmal nachzuschauen und einzustellen. Die vordere Duplexbremse ist so aufgebaut, dass beide Bremsbeläge volle Bremskraft erzeugen, daher muss man wissen, wie man sie einstellt, damit sie auch die maximale Verzögerung erreicht.Hier beschreibe ich die Reinigung und Einstellung dieser Bremse.
Erst einmal, wie so oft, Aufbocken und das Rad in die Höhe bringen. Dann den Bremsbowdenzug aushängen und die Tachowelle abschrauben, anschließend die Achsbefestigungsbacken lösen und entfernen. Wenn das Rad nicht schon rausgefallen ist, dieses rausheben. Als nächstes entfernen wir die Schraube auf der Achse, dann sollte die Bremsankerplatte schon lose sein, eventuel ein bisschen klopfen mit einem Gummihammer. Die Bremsplatte mit den Backen drauf erst einmal an die Seite legen und das Rad reinigen. Vorsicht, es könnte doch Asbest in den Belägen sein, also den Staub ausspülen mit Wasser. Ist das erledigt und getrocknet, kontrolliert man die Bremstrommel auf Verschleiss und Ungewönnlichkeiten wie starke Riefen, Risse usw. Ist sie ok und für gut befunden, kommt sie an die Kante und wir nehmen uns die Ankerplatte vor. Die Beläge werden als erstes markiert (habe ich nicht gemacht und daher musste ich erst einmal wieder alles aufeinander einbremsen oder noch einmal tauschen ;-() Genau wie die Bremsnocken selber, das sollte alles wieder an seinen alten Platz kommen. Dann bauen wir die Bremsbacken aus, eine Gripzange ist Gold wert zum Aushängen der Federn, alles was wir jetzt zur Seite legen, bitte auf Verschleis, Risse und Ungewönlichkeiten kontrollieren. Nach Reinigung und Kontrolle wandern die Bremsbacken erst mal in die Kiste mitsamt den Federn. Jetzt entfernen wir die Hebelei auf der Aussenseite, merkt euch genau, wie sie gesessen haben, mit dem Körner einen kleinen Punkt auf Hebel und Nocken anbringen, die später als Hilfe dienen. Die Hebelei reinigen, kontrollieren und ab in die Kiste damit, die Nocke rausziehen und ebenfalls reinigen. Sollte sich am Auflager der Bremsbacke ein Grat gebildet haben, diesen mit einer Schlüsselfeile und feinem Sandpapier entfernen, schön glatt machen das ganze, und wenn alles ok ist, ab in die Kiste. Die Platte und die Bohrungen der Nocke werden sauber gemacht, und ebenfalls kontrolliert. Habe ich noch etwas vergessen ...hmm glaube nicht....oder halt! Ach ja, die Beläge. Sind sie verschlissen, lose, verglast (die Oberfläche ist sehr glatt) oder ist etwas abgeplatzt, ab in die Tonne und neue besorgen. Sind sie noch ok, würde ich sie wieder einbauen, wohlgemerkt so, wie sie gesessen haben. Jetzt das Puzzle zusammenbauen, alle Bauteile noch einmal vor dem Einbau auf Risse und Schäden kontrollieren, denkt daran, meistens gehen sie so wie man sie zusammenbaut, aber bei einer Notbremsung kann etwas brechen, und dann sind es Eure Ohren. Als erstes setzten wir die Nocken wieder ein, diese an den Lagerstellen ein wenig mit Fett bestreichen, es sollte beim Einsetzen nur ganz leicht etwas rausqellen, dann die Hebelei vorne aufsetzen und festschrauben (auf Markierungen achten). Sollte doch ein wenig Fett ausgetreten sein, dieses entfernen. Auf die Nocken selber trage ich meistens ein wenig Fett auf, Kupferpaste geht auch, muss aber jeder selber wissen, ich weiss nicht, was da vorgeschrieben ist. Anschliessend die alten oder, wenn verschlissen, neuen Bremsbacken auflegen. Jetzt kommt es, die Federn einhängen, ich spanne sie dazu in eine Gripzange ein und hänge sie erst von unten in die eine Seite ein, die Ankerplatte ist dabei irgendwo haltbar eingespannt oder ein Helfer hält sie richtig gut fest. Dann wird die andere Seite eingehängt, ist alles ein bisschen fummelig. Anschliessend gebe ich noch ein ganz wenig Fett an die Kontaktstellen der Federn. Meistens sind die Beläge danach ziemlich eingesaut, diese sollte man dann mit Bremsenreiniger entfetten. Die Bremstrommel am besten auch gleich mit reinigen. Noch mal alles kontrolieren, ob alles gut sitzt, dann Trommel einsetzten, Schraube aufdrehen, aber noch nicht anziehen . Vorderrad einhängen und schön drauf achten, dass der Tachoantrieb richtig steht und sich der Schieber der Gabel in die Schiene der Bremsankerplatte fügt. Achsklemmen (sollte man auch auf Risse kontrollieren) aufsetzen und alles anziehen. Zum Schluss noch die zentrale Schraube anziehen, ich weiss, es ist sehr eng dort, man sollte sich einen alten Schlüssel passend zurecht flexen. Macht man das nicht, kann es zu Lenkerflattern und ungleichmässiger Bremsleistung kommen, die Bremse kann auch richtig rattern.
Jetzt kann die Tachowelle angeschlossen und der Bremsbowdenzug eingehängt werden (muss vielleicht ein neuer ran ?). Jetzt komme ich zum eigentlichen Einstellen. Als erstes entspannt man die Verbindungstrebe (Achtung eine seite ist Linksgewinde) so weit, dass die eine Backe keine Wirkung zeigt. Dann wird der Bowdenzug so stramm gestellt, dass die andere Bremsbacke gerade anfängt zu Bremsen, leichtes Schleifen beim Durchdrehen des Rades. ein wenig bremsen und schauen, ob es gleichmässig bleibt, dann die Verbindungstrebe spannen, bis es etwas mehr schleift in der Bremse, es ist reine Gefühlssache. Das war es an sich schon, eventuell wieder die Bowdenzugspannung korrigieren nach eigenem Empfinden und alle Schrauben kontern und sichern ... Fertig zu Probefahrt. Dabei sollte man erst vorsichtig auf dem Hof antesten, wie sie reagiert, dann die Sache etwas steigern und so weiter, bis man auf einer ruhigen Strecke und ohne Verkehr einmal austestet, was wirklich abgeht, wenn man den Anker schmeisst ;-)...aber immer gefasst sein, die Bremse schnell wieder lösen zu können, es kann sein, dass sie sogar auf rauhem Asphalt blockiert oder das Hinterrad versucht, über den Fahrer zu gehen.
Hin und wieder sollte man die Einstellung wiederholen, es kann immer sein, dass eine Backe sich mehr abnutzt als die andere.
Ein Warnhinweis am Ende!!! Die Bremsanlage ist ein sicherheitsrelevantes Bauteil und man sollte die nötige Fachkenntniss haben, wenn man selber etwas daran macht, jeder ist für sein Tun selber verantwortlich und ich übernehme keinerlei Gewähr für meinen verfassten Text und die Aussagen, die darin enthalten sind. Allzeit gute Bremsen wünscht Sascha
ANMERKUNG: Hier noch eine Ergänzung zum Einstellen der Duplexbremse; geschrieben von "Klaus" aus dem Enfield-Forum. Ich komme mit dieser Einstell-Version sehr gut klar:
Synchronisieren der Duplexbremse
Wichtig!!! Das ist meine ganz private Meinung und Aussage. Bei einer Nachahmung sind jegliche Haftung, Gewährleistung oder sonstige Schadensersatzansprüche gleich aus welchem Grund gegen mich ausgeschlossen. Solltest Du Dir unsicher sein und oder die erforderlichen Fachkenntnisse nicht besitzen, empfehle ich, eine Fachwerkstatt aufzusuchen!!!
Sorry mußte aber sein und nun der Ablauf:
1.Voraussetzung: Bremsbacken und Trommel sind in Ordnung, sauber, Fett frei und die Mutter der Ankerplatte auf der Achse ist fest angezogen?
2. Motorrad Unterbauen oder Anheben (Scherenwagenheber), damit das Vorderrad frei ist.
3. Muttern der Verbindungsstange der Bremsnocken lösen (Achtung! rechts und links Gewinde).
4. Bremsnockenhebel durch drehen der Verbindungsstange etwas auseinander Drehen, das heißt, der untere Bremsnocken muß jetzt zuerst den Bremsbacken zum Bremsen bringen.
5. Handbremshebel soweit anziehen, dass er gerade nicht bremst, in dieser Stellung gut fixieren, zum Beispiel durch passendes Kunststoff- oder Holzstück (Schraubendrehergriff).
6. Durch verstellen des Handbremszuges den unteren Bremsnocken bzw. Bremsbacken gerade zum Bremsen bringen, bei sehr sehr geringer Bremsverzögerung. Das heißt, der Backen berührt gerade ganz leicht an einer Stelle des Radumfangs die Trommel bei frei drehendem Rad. Genau diesen Punkt anhand von Geräusch und Position genau Merken und mit Filzstift auf Bremstrommel und Ankerplatte Markieren.
7. Bremsnockenhebel durch Drehen der Verbindungsstange etwas zusammendrehen, bis der obere Bremsnocken jetzt auch seinen Bremsbacken gerade zum Bremsen bringt. Die Synchronisierung ist dann akzeptabel, wenn jetzt an zwei Stellen des Radumfangs eine möglichst gleiche, sehr geringe Bremsverzögerung auftritt. Eine Verzögerungsstelle ist die markierte Stelle, verursacht durch den unteren Bremsnocken. Die andere neue Verzögerungsstelle auf dem Umfang wird demzufolge durch den oberen Bremsnocken verursacht.
8. Muttern der Verbindungsstange der Bremsnocken wieder fest ziehen (Achtung! Rechts- und Linksgewinde). Fixierung des Handbremshebels entfernen, Hebelspiel einstellen und Anziehen der Kontermuttern nicht vergessen! Jetzt sollte die Vorderradbremse gut Zupacken, aber Vorsicht, sie blockiert auch ganz schnell. Insbesondere bei nasser oder verschmutzter Straße schmiert dann gern das Vorderrad weg und Du liegst auf der Nase!!
Das Ruckeln oder Rattern der Vorderradbremse ist fast immer auf eine unrunde Bremstrommel zurück zuführen, hier hilft nur Ausdrehen.
Die nasse Vorderradbremse Vorsicht, auch hier, besonders nach dem Waschen, ist die Bremswirkung auf den ersten Metern oft gleich Null, immer erst mal Trockenbremsen nicht vergessen.
Die angerostete Bremstrommel, sowohl vorn als auch insbesondere hinten. Hat sich durch Feuchtigkeit oder Regen Flugrost über Nacht in der Bremstrommel gebildet, nicht erschrecken, wenn sie bei den erste zwei drei leichten Bremsungen heftig zupackt. Aber auch hier Vorsicht, vorn und hinten kann die Bremse blockieren.
Es empfiehlt sich immer vor Beginn jeder Fahrt auf freier Strecke (nur wo findet man die noch) die Bremsen erst mal zu Testen! Und nun wünsche ich sichere Fahrt
Klaus
Oder auch hier: http://www.hitchcocksmotorcycles.com/pictures/FRONT%20BRAKE%20OVERHAUL.pdf

