Umbau-350-500
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[Bearbeiten] Umbau 350ccm zu 500ccm
Der nachfolgende Text ist ein persönlicher Erfahrungsbericht über den Ausbau eines 350er Motors und Einbau eines 500er Motors in einen Enfield Bullet Rahmen. Der Motor muss incl. des Getriebes ausgebaut werden, da beide durch Stehbolzen miteinander verbunden sind. Neben dem Motor müssen noch zusätzlich ein paar Teile ausgetauscht werden. An Teilen sind für diesen Umbau erforderlich:
- 500ccm Motor
- Vergaser (28er Micarb Serie, o.Ä) incl. Gummistutzen
- 500er Kupplung
- Krümmerrohr plus evtl. Endtopf
- Sekundärritzel (Empfehlenswert: 19er)
[Bearbeiten] Schritt 1: Ausbau des 350er Motors
[Bearbeiten] I. Vorbereitung
Zunächst sollte die Enfield sicher auf eine Hebebühne oder Brett mit Steinen platziert werden, da der Hauptständer abmontiert werden muss. Als nächsten Schritt die Flüssigkeiten aus Motor und Primärantrieb ablassen. Sinnvoll: Tank abnehmen.
[Bearbeiten] II. Trennung aller Seilzüge
Danach müssen alle Verbindungen zum alten Motor getrennt werden. Hierzu gehören Gasseilzug, Kupplung und Dekompressionszug. Außerdem den Gummistutzen zwischen Luftfilterkasten und Vergaser lösen. Der serienmäßige 24er Micarb Vergaser muss gegen einen 28er Micarb Vergaser oder wahlweise noch stärkeren Vergaser ausgetauscht werden, ein bloßer Austausch der Bedüsung des alten Vergasers ist nicht ausreichend.
[Bearbeiten] III. Abbau von Fußrastenanlage usw.
Nun müssen sowohl die gesamte Fußrastenanlage, der Haupt- und Seitenständer entfernt werden, da man den Motor ansonsten später nicht rauskriegt.
[Bearbeiten] IV. Primärkasten
Hierbei sei auf einen anderen Wiki-Bericht verwiesen. Jedoch einige Anmerkungen.
- Der Abbau des Primärkastens gestaltete sich als recht aufwendig und wäre mir ohne Spezialwerkzeug wahrscheinlich nicht gelungen.
- Die 350er Kupplung lässt sich nicht mehr verwenden. Sie unterscheidet sich von der 500er Kupplung dadurch, dass sie 3 Scheiben, also eine Scheibe weniger als die 500er hat. Einfach ne Scheibe raufquetschen funktioniert leider nicht, da die Kupplungen nicht baugleich sind und die 350er Kupplung dann nicht mehr passt.
- Wenn der Primärkasten sowieso schon runter ist, empfiehlt es sich, gleich noch das Sekundärritzel auszutauschen. Bei 350ern sind meistens 16er -18er Ritzel verbaut, was bei einer Motorleistung von ca. 17 PS okay ist. Durch den Leistungszuwachs empfiehlt sich jedoch ein größeres Ritzel, was zu einer angepassten Endübersetzung führt. Der Autor hält für einen ungetunten 500er Motor ein 19er Ritzel für eine gute Wahl. Hierdurch kann man gemütlich mit 100 km/h auf Landstrassen mitschwimmen und kommt trotzdem noch vernünftig von der Ampel weg.
[Bearbeiten] V. Trennung der Motorhaltebolzen.
Der Motor wird als mittragendes Element des Rahmens von mehren Bolzen mit dem Rahmen verbunden. Sämtliche Bolzen sind zu entfernen. Hierbei erleichtert man sich die Arbeit, wenn man den Motor vollkommen entlastet, also auf einem Holzblock o. Ä. abstützt. Die Haltebolzen sitzen teilweise recht fest, so dass man sie mit einem Gummihammer und einem alten Schraubenzieher am besten rausbekommt.
[Bearbeiten] VI. Motorausbau
Nun müsste sich der Motor samt Getriebe aus dem Rahmen entfernen lassen. Entweder lässt man den Motor nach unten rausfallen, hebt den Rahmen nach oben weg, oder kippt den Motor seitlich raus. Ist mit etwas Fummelei und Kraftaufwand verbunden, so dass man sich spätestens hierzu einer zweiten Person bedienen sollte. Der Motor wiegt ohne Getriebe ca. 40-50 kg (Schätzung) so dass ein kräftiger Mensch ihn zwar alleine tragen kann, beim Ein- und Ausbau mit Getriebe ist man alleine allerdings schnell überfordert.
[Bearbeiten] VII. Trennung Motor-Getriebe
Der Motor ist mittels 4 Stehbolzen mit dem Getriebe verbunden. Zunächst sind die Muttern am Getriebe zu lösen und dann kann das Getriebe abgezogen werden. Falls man die Stehbolzen für den neuen Motor verwenden will, müssen diese aus dem alten Motor ausgeschraubt werden. Mit etwas Glück klappt dies mittels Kontermuttern. In meinem Fall waren sie verklebt und saßen so fest, dass ich Spezialwerkzeug, einen sogen. Stehbolzenabzieher brauchte.
[Bearbeiten] Schritt 2: Einbau des neuen Motors
Nun kann mit dem Einbau des neuen Motors begonnen werden. Hierbei ist einfach in umgekehrter Reihenfolge vorzugehen. Hierzu ein paar Anmerkungen.
[Bearbeiten] I. Passgenauigkeit
Beim Einbau eines neuen Motors kann es Probleme mit der Passgenauigkeit von Motor und Rahmen geben. Besonders bei älteren Rahmen die sich im Laufe der Jahre leicht verziehen können und aufgrund der großen Fertigungstoleranzen in Indien, muss damit gerechnet werden, dass der neue Motor nicht ganz problemlos in den alten Rahmen reinrutscht. Mit etwas Fummelei müsste es aber klappen.
[Bearbeiten] II. Einfahren
Übers Einfahren eines nagelneuen Motors wissen die meisten sicher Bescheid. Der Motor ist am Anfang noch etwas zäh und sollte behutsam eingefahren werden. Sinnvoll ist es, sich in ständig wechselnden Drehzahlbereichen zu bewegen, also nicht konstant im selben Gang und Drehzahlbereich zu bleiben, sondern viel schalten. Man sollte sich langsam in die oberen Drehzahlbereiche vorarbeiten. Nach ca. 200km sollte bereits der erste Ölwechsel erfolgen, da sich nun die gröbsten Metallspäne abgerieben haben werden, welche durch den frühen Ölwechsel aus dem Motor entfernt werden.
[Bearbeiten] III. Allgemein
Bei dem hier verfassten Bericht handelt es sich um meine persönliche Erfahrung, die ich bei der Umrüstung von zwei 350er Enfields mit 500er Motoren gemacht habe. Möglicherweise treten bei anderen Enfields noch zusätzliche Probleme auf. Bei den Indern ändert sich immer mal was, so dass man auf Überraschungen vorbereitet sein sollte. Die Umrüstung lässt sich mit einem vernünftig ausgestatteten Werkzeugsortiment und genügend Platz in Garage o.Ä. durchaus schaffen. Durchschnittliche Schrauberkenntnisse sind hierfür im Prinzip ausreichend. Der Umbau lässt sich in 1-2 Tagen hinkriegen, vorausgesetzt man verfügt über sämtliche Teile und Werkzeug und es treten keine unplanmäßigen Schwierigkeiten auf. Ich habe den ersten Umbau sogar in meiner Wohnung im Wohnzimmer neben Bett und Computer durchgeführt, würde aber davon eher abraten, außer man ist Single oder hat einen sehr toleranten Lebenspartner Falls ich etwas vergessen oder übersehen haben sollte, bin ich für Hinweise oder Ergänzungen dankbar, bei sonstigen Fragen erreicht ihr mich unter
Tobi.friedemann@gmx.de
Viel Erfolg!

