Motorwartung
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Motorwartung (Bullet 350cc) alle 5000 km
Nach einigen Tausend Kilometern Betrieb verursachen Kohleablagerungen einen Leistungsverlust, begleitet von erhöhtem Benzinverbrauch und Startschwierigkeiten. Entkohlen wird normalerweise alle 5000 km nötig. Dieses kann bei eingebautem Motor ausgeführt werden. Der Kilometerstand zwischen dem Entkohlen ist von Maschine zu Maschine verschieden und hängt von der Fahrweise und Art des Fahrbetriebs ab. Ein Fahrzeug, das für kurze Distanzen benutzt wird, wird mehr Aufmerksamkeit erfordern, als ein Fahrzeug, das über längere Distanzen und flott gefahren wird.
Inhaltsverzeichnis |
Abziehen des Zylinderkopfes
- Entferne die Kipphebel mitsamt den Lagerböcken durch entfernen der vier 1/4" Muttern auf jeder Seite.
- Ziehe die Stößelstangen heraus.
- Löse die sechs Zylinderkopfmuttern und entferne sie mit den Scheiben.
- Hebe den Zylinderkopf mit vorsichtigen Schlägen mit einem Holzstiel in die Ein- und Auslasskanäle vom Zylinder ab. Hämmere nie gegen die Kühlrippen!
Demontage des Zylinders und Kolbens
- Löse die 1/4" Muttern der Stehbolzen und hebe den Zylinder ab.
- Löse den Sicherungsring des Kolbenbolzens mit einer Zange auf der Steuerseite.
- Entferne den Kolbenbolzen mit Spezialwerkzeug (T-1953-W) (wenn nötig mit Adapter). Markiere vorher Kolben und Kolbenbolzen, so dass der spätere Einbau richtig erfolgen kann, d.h. geschlitzte Seite nach vorne.
- Während des Ausbaus lege ein Stück Stoff über das Kurbelgehäuse, damit nichts hineinfällt. Achte besonders darauf, dass der Sicherungsring nicht in das Kurbelgehäuse fällt. Lasse ein sauberes Tuch solange auf dem Kurbelgehäuse wie der Zylinder abgebaut ist, damit kein Staub und Dreck hineinfallen kann.5. Ausbau der Ventile
- Um die Ventile auszubauen, müssen zuerst die Ventilkäppchen von den Ventilschäften abgehoben werden. Wenn sie fest sind, können sie mit einem Schraubendreher gelöst werden.
- Mit Spezialwerkzeug (T-2046-W) werden die Ventilfedern zusammengedrückt um die Keile herauszunehmen.
- Beim Lösen des Werkzeugs fallen die Federn mit heraus.
- Ziehe das Ventil nach unten heraus und lege alle Teile, Federn, Federteller, Keile etc. nach Einlass und Auslass sortiert, damit ein passender Wiedereinbau möglich ist.
- Wenn das Ventil sich nicht leicht durch die Ventilführung bewegen lässt, entferne eventuell leichte Kratzer am Ende des Ventilschaftes mit einem Silikonkarbidstein. Wenn die Kratzer sich nicht entfernen lassen und beim Durchschieben durch die Führung wiederkommen, ist die Ventilführung beschädigt und muss ggf. ausgewechselt werden (das sollte man einer Werkstatt überlassen).
Entkohlung
- Entferne die Kohle von den Ventilen, den Ventilöffnungen und der Verbrennungskammer, indem Du sie abkratzt (es dürfen dadurch keine Riefen entstehen). Arbeite besonders vorsichtig an den Ventilsitzen.
- Verwende auf keinen Fall Ätznatron oder Poliermittel, um die Kohle von der Alu-Legierung zu entfernen.
- Entferne vorsichtig die Kolbenringe. Ein Stück eines gebrochenen Ringes, das auf einen Holzgriff o.ä. montiert wird, ist ein geeignetes Werkzeug zum Reinigen der Ringnut.
- Einfacher und schneller lassen sich verkohlte Teile, durch Glasperlstrahlen reinigen.
Kolben und Ringe
- Wenn die Kolbenringe in einem guten Zustand sind, können sie wieder eingebaut werden. Pass dabei auf , dass sie in die ursprünglichen Nuten kommen und in die gleiche Richtung zeigen. Wenn die Ringe braune oder schwarze Flecken zeigen, oder das Stoßspiel in eingebautem Zustand mehr als 1,53 mm beträgt, sollten neue Ringe eingebaut werden. Das Stoßspiel bei neuen Ringen beträgt 0,39 mm bis 0,51 mm. Das Stoßspiel soll in dem Teil des Zylinders gemessen werden, der am wenigsten abgenutzt ist, entweder ganz oben oder ganz unten.
- Die Originalbohrung des Zylinders beträt 69,874 mm. Wenn die Abnutzung an jeder Stelle der Laufbuchse mehr als 0,21 mm erreicht, sollte der Zylinder um 0,51 mm aufgebohrt werden und ein Kolben der nächsten Größe eingebaut werden. (Nach weiteren 0,21 mm Abnutzung soll um insgesamt 1,02 mm aufgebohrt werden.) Es gibt Kolben für diese zwei Übermaße.
- Das originale Seitenspiel zwischen den Kolbenringen und den Nuten ist 0,08 mm. Wenn die Nuten bis auf 0,13 mm Spiel abgenutzt sind, sollte ein neuer Kolben eingebaut werden.
Pleuellager
- Während der Kolben ausgebaut ist, überprüfe die Beschaffenheit des Pleuellagers, ca. 0,26 mm bis 0,51 mm seitliches Spiel sind erlaubt. Es soll möglich sein das Pleuel leicht zu bewegen.
- Das Pleuellager hat eine druckölgeschmierte Lagerbuchse mit einem Spiel von höchstens 0,08 mm. Falls allerdings deutliches radiales Spiel fühlbar ist, sollte der Motor auseinandergenommen werden, um das Pleuellager zu erneuern. (Dieser Vorgang wird in der Anleitung später erklärt.)
Pleuelbuchse
- Der Kolbenbolzen soll im kalten Kolben fest sitzen und in der Buchse des Pleuelauges mit 9,03 mm Spiel frei arbeiten.
- Die Pleuelaugenbuchse kann ausgetauscht werden, wenn sie verschlissen ist. Nach dem Einbau muss die neue Buchse auf das Maß 19,06 mm bis 19,07 mm ausgetrieben werden.
Ventile
- Verschleiß an den Ventilschäften kann bei Überprüfung gesehen werden, und falls sich eine merkliche Vertiefung gebildet hat, sollte das Ventil ausgetauscht werden.
- Bevor die Ventile eingebaut werden, müssen Ventilsitz und Ventil aufeinander eingeschliffen werden. Wenn ein gleichmäßiges Schleifbild selbst mit einer ausreichenden Menge Schleifpaste nicht erreichbar ist, muss der Sitz eingefräst werden (90° Winkel) und das Ventil danach wieder eingeschliffen werden.
- Versuche nicht, einen guten Ventilsitz mit viel Schleifpaste zu erreichen. Hierbei entsteht nur Pitting, welches den Gasfluss einschränkt. Wenn sich Pitting geformt hat, muss es entfernt werden, indem mit einer größeren Ventilfräse gefräst wird als der Durchmesser des Ventiltellers.
Ventilführungen und -federn
- Überprüfe die Ventilführung auf Verschleiß, indem Du die Passung eines neuen Ventils prüfst. Beide Ventile müssen sich frei bewegen. Allerdings hat das Auslassventil ein größeres Spiel (0,05 mm) als das Einlassventil.
- Um die Führung aus dem Zylinderkopf auszubauen, braucht man zwei Spezialwerkzeuge, welche man selbst anfertigen kann. Das erste ist ein Stück Rohr mit einem Innendurchmesser von nicht weniger als 22,23 mm. Das zweite ist ein ca. 101,6 mm langer Dorn mit 14,28 mm Außendurchmesser. Am Ende wird ein 12,7 mm langes Stück auf 8,74 mm abgedreht.
- Schiebe den Zylinderkopf auf das Rohr, das über die Führung passt. Mit Hilfe des Dorns wird die Führung mit einer Handpresse odder mit einem Hammer herausgedrückt.
- Um eine neue Führung einzupassen, muss der Kopf erst im richtigen Winkel aufgestützt werden.
- Nehme dann eine Handpresse und denselben Dorn wie zum Ausbau. Falls keine Handpresse vorhanden ist, kann die Führung auch mit einem Hammer eingesetzt werden, wobei der Dorn eine Beschädigung der Führung verhindern soll.
- Überprüfe die Länge der Ventilfedern. Die ursprüngliche Länge der inneren Feder ist 51,308 mm und der äußeren Feder 53,21 mm. Wenn die Federn mehr als 3,17 mm zusammengedrückt sind, sollten sie erneuert werden.
- Decompressor
- Wenn der Decompressor gut schließt und frei arbeitet, müssen keine größeren Arbeiten daran vorgenommen werden, außer um mögliche Kohle vom Ventilteller zu entfernen.
- Wenn das Ventil nicht mehr dicht schließt, muss es auf den Sitz neu eingeschliffen werden. Dies kann ohne Ausbau wie folgt erledigt werden.
- Nachdem der Bowdenzug vom Lenker gelöst wurde, schraube den Decompressor vom Zylinderkopf ab.
- Drücke die Feder mit den Fingern zusammen und entferne den Federteller.
- Als nächstes werden die Einstellschraube und die Kontermutter vom Befestigungsblock abgeschraubt und der Zug seitlich herausgezogen.
- Drücke die Feder nach oben und ziehe den Zugnippel heraus. Jetzt ist es möglich den Zug mit dem Nippel durch die Feder zu ziehen, wodurch der Decompressorkörper und die Feder vom Zug gelöst sind.
- Der Federteller muss jetzt wieder eingesetzt werden.
- Mit einer dünnen Schicht Schleifpaste auf die Ventildichtfläche wird das Ventil durch Hin- und Herdrehen eingeschliffen, wobei es gelegentlich kurz angehoben werden soll. Das Ventil sollte vor einer ganzen Umdrehung angehoben werden, weil es sonst Riefen in den Sitz schleift.
- Nach dem Einschleifen müssen alle Schleifreste mit Benzin weggespült werden, wobei das Ventil mit den Fingern auf- und zugedrückt wird.
- Vergewissere Dich, dass alle Schleifmittelreste entfernt sind. Wenn Schleifpaste in den Zylinder gerät, kann das schlimme Zerstörungen verursachen.
- Wenn das Ventil im Körper offen stecken bleibt, aber sonst in Ordnung ist, kann dies durch Ausspülen mit Benzin behoben werden. Es ist in diesem Fall nicht notwendig, den Zug auszuhängen.
- Wenn das Ventil stark verbrannt oder verbogen ist, muss es ausgetauscht werden.
Zusammenbau des Motors
- Bevor der Motor wieder zusammengebaut wird, muss sicher gestellt sein, dass alle Teile gründlich gesäubert worden sind. Lege die Teile am Besten auf ein sauberes Blatt Papier.
- Beim Zusammenbau sollte eine neue Papierfußdichtung benutzt werden.
- Steiche sauberes Öl auf den Kolben und setzte die Kolbenringe ein. Der zweite Ring ist ein Kompressionsring, und auf der oberen Seite steht TOP (oben). Diese Markierung muss auch wirklich nach oben zeigen, da sonst der Zylinder beschädigt werden kann.
- Halte den Kolben über das Pleuel und setze den Kolbenbolzen ein.
- Sichere den Bolzen mit dem entsprechenden Sicherungsring.
- Öle die Zylinderlaufbahn ein und schiebe den Zylinder über den Kolben.
- Setze den Zylinder sanft auf die Papierdichtung.
- Bei der Wiedermontage des Zylinderkopfes ist die Verwendung von nichtaushärtender hitzebeständiger Dichtmasse (z.B. Hylomar) auf beiden Seiten der Kopfdichtung empfohlen.
- Setze die sechs Muttern auf und ziehe sie nach folgendem Schema mit zuerst 20 Nm fest, dann mit 30 Nm. Diese Werte dürfen unter keinen Umständen überschritten werden, ansonsten können die Gewinde ausreißen!
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- Setze die 1/4" Mutter über dem Steuerkasten ein.
- Setze die Stößelstangen mit der Einstellseite nach unten ein. Beachte, dass das kürzere Stößel das Einlassstößel ist.
- Setze die Kipphebel und die Kipphebellagerböcke ein, wobei die Ölbohrungen unten sein müssen. Auf guten Sitz des Lagerbocks muss geachtet werden. Mit einem kurzen Hammerschlag auf den festgeschraubten Kipphebel kann dies kontrolliert werden.
- Achte darauf, dass die Ventilkappen richtig sitzen.
- Die Zylinderkopfmuttern müssen auf Festigkeit überprüft werden, nachdem der Motor warmgelaufen ist.
eigene Bilder und Anmerkungen
(Bilder sind von einer Bullet 500 nach ca. 14.000km)
Musste den Kopf runterschrauben weil ich eine gebrochene Feder am Ausslassventil hatte. dachte ich mach die Motorwartung gleich mit. Das Runterschrauben ist nicht wirklich ein Problem, solange man genau das tut was in der Anleitung steht.
schwieriger wird bei 3: ich musste ganz gut hämmern damit der 10 Jahre alte Kopf runter ging.
Im Schritt 4 hab ich mir die Demontage des Zylinders erspart. Raus hab ich das Ventil (das kaputte) noch mit einer einfachen Schraubzwinge bekommen. Spätesten beim Einbau ist es damit aber vorbei. Besser gleich das Werkzeug kaufen oder selber basteln (siehe Spezialwerkzeug Motor)
Beim Entkohlen erinnert man eher an einen Archeologen... mit Spatel, Pinsel und bezingetränktem Lappen.
Dann wurde es erst bei Punkt 9 interessant, da ich ein Ventil zu wechseln hatte. Ventilsitz sah noch brauchbar aus, deshalb nur mit Einschleifpaste (Tante Louis oder evtl auch vom Baumarkt Deiner Wahl) gearbeitet.
Dann die Ventile mit Federn (Muss alles super sauber sein. Schleifpaste und Ventilführung mögen sich nicht). Wie gesagt spätestens hier freuen sich die Nachbarn über das richtige Werkzeug, wenn man deren Mittagsruhe nicht durch Kraftausdrücke stört.
Beim auseinanderbauen fallen 2 "Halbschalen" raus die das Ventil arretieren (weiss auch nicht wie man das genau beschreiben soll. Jedenfalls werden sie beim Ausbau offensichtlich)
Die Dinger wieder rein zu frickeln ist schon nervig genug, aber ohne Werkzeug....
Der Rest ist gemäß Anleitung wieder recht einfach. Auf irgend welche Dichtpasten hab ich verzichtet, dafür eine komplett neue Zylinderkopfdichtung spendiert.
Das wars. Auspuff, Ölleitungen und Vergaser dran, Tank drauf, kurzes Stossgebet zum Himmel, einmal treten, zweimal treten... sie lebt! Haleluja
Aber eins ist auch klar: alle 5000km mach ich das nicht! ;-)

