Mit der Taurus nach Spanien

Aus EnfieldWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

[Bearbeiten] Mit der Taurus nach Spanien


In der Hauptrolle




Eigentlich wollten wir, Gertrud, meine Sozia und ich, der Peter, zum Dieseltreffen auf die Insel. Aber da waren div. logistische Probleme: Wie lange fährt man mit zwei Personen u. Gepäck zum Fährhafen? Welche Fähre buchen? Wo übernachten? Und dann das bescheidene Wetter noch 10 Tage vorher, wir wollten 14 Tage auf der Insel bleiben. Lauter Fragen.

Am Anfang war der Traum! Tatsächlich habe ich irgendwann mal davon geträumt, mit der Taurus auf (unseren) Campingplatz zu fahren. Wir waren dort schon öfters. Natürlich im Traum alleine mit Zelt und dem Nötigsten. Warum alleine? Weiß nicht warum, vielleicht wegen dem Gepäck.

Um rauszufinden, ob und wie 800 km möglich sind, haben wir uns dann, durch meinen Traum inspiriert, entschlossen, 1250 km nach Spanien zu fahren, auch und nicht zuletzt wegen den zu erwartenden höheren Temperaturen. Meine Taurus hat Kipphebeltuning und einen verbesserten Luftfilter. Km Stand war ca. 9000 km.

Montag 05.06.06 9.30 Uhr Abreise bei trübem Himmel und Temperaturen um 17 Grad, nicht warm, aber wenigstens kein Regen. Die Fahrt ging nach Saarbrücken zum Grenzübergang "Goldene Bremm ". Wir wollten in Frankreich wegen dem "schnelleren" Vorankommen die AB benutzen. Es stellte sich relativ schnell heraus, dass unsere Kleiderwahl: Motorradjacke, T-Shirt, Sommerhandschuhe und Motorradhose ohne Futter nicht ausreichend wärmten. Bei unserem ersten Stop in der Nähe von Nancy, vom Zwischenstop hinter der Grenze zum Proviantfassen (die Franzosen haben feines Zeugs) mal abgesehen, standen wir ziemlich verfroren und etwas frustriert in einer Raststätte, als es draußen dröhnte: es waren Biker von der Insel. Die Taurus zog ihre Blicke an. Zuerst: „Nice old Bike“, was ist das für eine? Einer der Engländer sieht den Seitendeckel DIESEL?? dann Fotoshooting. Als wir rausgingen zu den Engländern, dann die üblichen Fragen: Marke, Leistung, Vmax 80-82. Blicke der Anerkennung mit nur ca. 9 PS. Dann die Enttäuschung bei den Engländern: sie dachten 80 Meilen und ich meinte 80 km/h. Begeisterung bei den Verbrauchswerten. Einer von ihnen hatte wohl schon mal von einem Dieselmotorrad gehört, konnte es aber nicht glauben. Er gab mir seine Telefonnummer mit der Bitte, ihn mal zu besuchen (natürlich mit der Taurus), damit wir mal ins Pub gehen können zu seinen Freunden. Als die Engländer hörten, dass am kommenden Wochenende ein Dieseltreffen auf der Insel sei, waren sie doch sehr erstaunt. An irgend einem der nächsten Rastplätze wurde es Zeit, die Kleiderordnung zu verbessern. Gepäcksack mit zur Toilette, dann lange Unterhose, zweites T-Shirt, Fleecepulli und die Winterhandschuhe angezogen; von da an war die Sache viel angenehmer. Mein neu aufgepolsterter Sattel, der kleine indische, vom Schlosser im Rahmen vergrößert und vom Polsterer neu überzogen, bewährte sich sehr zufriedenstellend. Nach ca. 450 km der Schreck: plötzlicher Leistungsverlust! Schnell auf die Standspur und ausrollen. Grübel?! Vorsichtig mal in den Tank geschaut: Echooo!!!! Der war doch tatsächlich leer. Eigentlich hatte ich eine Reichweite von ca. 600 km geschätzt und somit erster Tankstop in Lyon. Aber zwei Personen und Gepäck und zudem Dauervollgas machen wohl durstig. Zum Glück, die nächste Tankstelle nur ein paar km weg. Wir sind dann mit Reserve und zum Teil auf der Standspur hingehoppelt und haben 12 lt. eingefüllt = 2,7/100 vom guten blauen Ganzteuer-Diesel verfeuert. Während ich bezahle, bleibt Gertrud bei der laufenden Taurus, sie hustet halt noch ein bißchen bis die restliche Luft aus dem Einspritzsystem ist. Wieder war die Enni von interessierten Franzosen umgeben. Die Sätze in französisch konnten wir mittlerweile sehr gut. Das mit dem Superdiesel war ein Test, ob`s was bewirkt. Hab immer mal normalen Diesel und das Superzeug im Wechsel gefahren Test KM hatte ich ja genug, hab aber nichts Positives gemerkt.

Um 20.00 Uhr hatten wir recht müde, aber stolz, unser Etappenziel Lyon erreicht. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 69,7 km/h. Wir waren weiter gekommen, als wir geschätzt hatten. Für die Übernachtungen hatten wir uns die F1 Hotels ausgedacht; diese gibt es reichlich an der französischen Autobahn Richtung Süden. Nichts überragendes, aber für zwei müde Biker ausreichend und mit warmer Dusche. Gertrud hatte doch eine Menge Dieselruß abgekriegt. Außerdem schont solcher- lei Unterkunft die Reisekasse: Zimmer bis 3 Personen mit Frühstück um 32 Euro. Für Spätankömmlinge gibt es einen Automaten-Check-In mit EC oder Visa.

Dienstag 8.00 Uhr Weiterfahrt Währen des Frühstücks regnete es. So eine Sch....! Aber als wir unsere Sachen zur Weiterfahrt fertig gepackt hatten, hörte es auf. Es war immer noch kalt und trübe, als wir losfuhren und unser Kleidersack ganz dünn weil wir wieder alle Kleider anhatten. Vor der Weiterfahrt ein kleiner Check, 100 ml Motoröl in den Motor und etwas Öl auf die Kette. Dann ging es auf die Piste. Doch zuerst eine kleine Irrfahrt durch Lyon. Am vorigen Abend waren wir auf die Umgehungs- AB geraten. Wir wollten aber durch die Tunnel und am Fluss entlang fahren. Lyoner Berufsverkehr: toll getroffen! Es ist aber eine interessante Stadt, jedoch mit dem Auto hätte ich mich wahrscheinlich nicht hinein getraut. Zeitbedarf ca. 45 lohnende min. Am späteren Vormittag kam dann doch noch die Sonne durch die Wolkenlücken und Mann und Frau konnten sich in einer Pause auf einer Bank in die Sonne legen. Herrlich! Richtig warm wurde es aber erst in der Nähe von Montpellier. Dort war der Himmel strahlend blau mit einzelnen Wölkchen. Zum erste Mal reichten Motorradjacke u. T-Shirt, und die warmen Sachen konnten endlich im Sack verschwinden. Wir waren im Sommer angekommen. Immer wenn wir eine Pause machten, so etwa alle 1-1/2 Std., gab es immer eine Menge Fragen zu beantworten. Immer wieder die Frage, ob es wirklich eine Diesel ist und nach dem Alter der Maschine. Immer wieder wurde die Taurus fotografiert, als Beweis für die Freunde zu Hause. Bei der Altersfrage ließen wir die Leute immer schätzen. Häufigste Antwort: so ca. Bj. 1960, dann großes Erstaunen, wenn wir sagten, dass sie Bj. 2001 ist und EZ. 2003 sei. Im Süden von Frankreich herrschten starke, böige Winde. Wenn der Wind von hinten kam, konnte man mit 78 km/h im 4ten Gang die Steigungen hochfahren, das war schön. Aber wehe, wenn der Wind von vorn kam, dann waren es nur mit Mühe 50 km/h im 3ten Gang in der Ebene. Gegen 19.00 Uhr erreichten wir in Perpignan das dortige F1 Hotel. Unsere Enni bekam einen Parkplatz unmittelbar beim Eingang. In den französischen Nachrichten sprach man über Winde am Nachmittag bis 110 km/h. Und über Schneefall in der nähe von Mulhouse (dorthin und anschließend in den Schwarzwald wollten die englischen Biker: Brrr!)

Mittwoch 8.00Uhr Beim Frühstück am nächsten Morgen hörten wir vom Nachbartisch Diskussionen über unsere Enni, sie stand direkt in deren Blickrichtung vor dem Fenster. Was für ein schönes, altes Motorrad. Nur, was das mit dem Dieselschild bedeutet, war man sich nicht im Klaren. Nach dem Frühstück beginnen wir unsere Enni zu packen. Kaum, dass wir bei unserem Motorrad stehen, kommt ein älterer Franzose, einer vom Frühstückstisch, wegen dem Dieselschild. Nach ein paar Sätzen der Aufklärung ging auch er bestens informiert zurück zu den anderen. Bei unserer Abfahrt um 8.00 Uhr winkten uns diese Franzosen und wünschten uns noch ein „bonne journée“. Allseitige Begeisterung herrschte auch beim Dieselsound. Das letzte Stück AB. An der letzten Abfahrt vor der Grenze verlassen wir die Autobahn bei Le Boulou. Heute kommt das Sahnestückchen der Reise. Wir fahren über die Passtrasse nach Spanien. In Perthues gibt es eine schöne Burganlage: das „Chateau des Maures“ zu sehen. Sie hat eine steile Auffahrt, eine richtige Herausforderung für die Taurus, ein Teil hat ca. 20% Steigung, auch diese Stelle hat unsere Enni sehr gut gemeistert. Leider hatte dort die Besichtigungssaison noch nicht begonnen. Aber der Außenbereich ist auch sehenswert. Dann in La Jonquera an der Tankstelle ein schönes Erlebnis. Wir stehen an der Dieselsäule zwischen den LKW und haben den Rüssel noch nicht richtig im Tank, da kommt plötzlich ein Geplärre aus dem Lautsprecher. Aber weil wir kein Spanisch können reagierten wir nicht weiter. Der Tankwart komm zeternd und mit den Händen fuchtelnd angelaufen und rief. „Gasóleo, Gasóleo, Diesel, Camión“. Als ich ihm dann den Seitendeckel der Taurus mit dem Aufdruck "Diesel" zeigte, konnte er es nicht richtig glauben. Dann, beim Bezahlen, gab es einen kleinen Auflauf, bis alle ihre Fragen gestellt hatten und alles erzählt war. Das nächste Benzinmoped, das „falsch“ tankt, hat dann das Nachsehen. Weiter ging unsere Reise auf der A 2 an Figueres und Girona vorbei nach Malgrat de Mar. Die Straße war in einem besseren Zustand als erwartet. Die ganz lange Strecke über die C 31 ab Figueres haben wir dann, wegen dem viel längeren Zeitbedarf, nicht gefahren. Als wir irgendwann hinter Girona Mittagspause machten, hatte es wohl kurz vorher hier heftig geregnet. Überall war es nass, und es gab große Pfützen. Dadurch, dass wir so langsam sind, fahren wir dem besch.... Wetter immer hinterher. Das ist jedoch besser, als nass zu werden. Ein eindeutiger Vorteil der Langsamkeit. Ab Malgrat de Mar schlängelten wir uns nahe der Küste entlang, bis es bei Montgat auf die Stadtautobahn von Barcelona ging. Die Stadtautobahn führt durch einige Tunnel und auch am Hafen vorbei, es gibt im Tunnel Abbiegespuren. Der Dieselsound der Enni im Tunnel kommt richtig gut. Dieses Stück durch Barcelona hatten wir uns schwieriger vorgestellt. Bei El Prat de Llobregat verlassen wir die AB und fahren weiter auf der C 31 an der Steilküste entlang. Sehr sehenswerte Landschaft und herrliche Kurven! Manche davon aber ziemlich eng und Busse oder Lkw kommen auf unsere Seite (Buuh). Nix zum heizen, aber mit der Taurus eh kein Problem. Weiter oben verläuft die AB durch die Tunnel des Garraf. Leider ist bei Sitges dieser schöne Streckenabschnitt am Ende. Bei Vilanova i la Geltrü hatten wir erstmals Probleme mit dem Weg, wir konnten den weiteren Verlauf der C 31 nicht finden, und auf die AB wollten wir nicht. Also sind wir in den Ort und immer Richtung Meer gefahren und haben uns dann nach rechts gehalten, so haben wir über sehr reizvolle Sträßchen nach El Vendrell gefunden. Das letzte Stück unseres Weges befuhren wir die N 340, das war das unangenehmste Stück der ganzen Reise, viel Verkehr und drängelnde Lkw‘s. Gegen 17.00 Uhr erreichten wir den Römischen Torbogen, den Arc de Bera.

Am Campingplatz Playa Bara

Dort fuhren wir bei trübem und kühlem Wetter auf den Camping Platz Playa Bara (http://www.barapark.es/). Wir hatten bis zum 15.06. einen Bungalow gemietet: wegen dem bequemeren Bett und wegen der beschränkten Zuladung bei zwei Personen. Von hier, als unserem Stützpunkt, konnten wir sehr gut die Gegend erkunden. Tarragona, Barcelona und einige schöne Fahrten ins Hinterland standen auf dem Programm und ein paar faule Strandtage natürlich auch. Unser „Häuschen“ war nicht so berauschend und musste dringend gelüftet werden. Ich glaube, es war eh seine letzte Saison. Nachts froren wir wie die Schneider, trotz Sommerschlafanzug, langer Unterhose. Fleecepulli und der kleinen Decke (die wir immer im Motorradkoffer haben: klassisch mit grünem Schottenkaro) auf den Füßen. Unser gemietetes Bettwäschepaket beinhaltete lediglich zwei Kopfkissenbezüge und zwei dünne Betttücher.

der Stützpunkt

01.06. Donnerstag Das Wetter ist heute auch noch nicht so toll, und wir sind etwas frustriert. Hofften wir doch auf so richtig dollen Sonnenschein und entsprechende Temperaturen. Auch unser Frühstückstee will uns nicht recht schmecken, da wir keine Kanne haben in dem „voll ausgestatteten“ Bungalow. Aber wir hoffen! Das Personal am Platz ist aus unserer Erfahrung her sehr motiviert. Wir waren schon öfter hier, allerdings mit dem Womo.

02.06. Freitag Wieder eine fast durchfrorene Nacht. Da das Wetter immer noch trübe und kalt ist, beschließen wir erst einmal einzukaufen. Vielleicht bekommen wir ja irgendwo eine warme Wolldecke. Hier in der Nähe werden wir leider nicht fündig, deshalb fahren wir nach Tarragona. Mittlerweile wird das Wetter richtig schön und wir erstehen auch eine Decke. Nach Tarragona fuhren wir öfter, mit dem Motorrad kein Problem. Man kann fast überall einen Parkplatz finden. Gegenüber früheren Besuchen mit dem Pkw: ein Traum!

03.06. Samstag Super Wetter und eine warme Nacht, dank der Decke. Was will man mehr? Ab an den Strand!

04.06. Sonntag Heute wollen wir ein bisschen auf Tour gehen. Geplant ist über El Vendrell in Richtung Valls über die C 51 und von dort auf kleinen Straßen durch die Prades Berge.

Montferri

Unterwegs erst mal ein Abstecher nach „Montferri“, einer kleinen Wallfahrtskapelle, die von außen leicht an die Sagrada Familia in Barcelona erinnert. Drinnen steht die schwarze Madonna, ähnlich der im Kloster Montserrat. Bevor wir von dort weiterfahren wollen, bittet uns ein Spanier darum, Fotos von unserer Enni machen zu dürfen. Wieder viele Fragen, die wir in Ermangelung der spanischen Sprache nur mit Händen und Füßen beantworten können. Und weiter geht es. Wir machen noch einen Abstecher nach „Santes Creus“: ein imposantes Kloster. Auf dem dortigen Parkplatz entdecken wir auf einer Landkarte eine schöne Straße durch die Berge. Nach einem Cortado und einem Eis machten wir uns weiter auf den Weg nach El Pont d`Armentera und von dort auf die C 37 Richtung Igualada. Eine wunderschöne Motorradstrecke. Kurvig durch lichte Pinienhaine geht`s bergan. Leider folgt eine relativ gerade Bergabstrecke. Von Igualada aus geht`s über Villafranka del Penedès wieder zurück. War ein toller Tag.

05.06. Montag Gammeltag

06.06 Dienstag Heute ist in Tarragona Markttag. Wir kaufen in der Markthalle Fisch zum Grillen, denn ein kleiner Pocketgrill hatte auch noch im Gepäck Platz gefunden. Das erhöht das Gefühl der Freiheit. Für Saarländer ein Muss, wenn’s auch leider kein Schwenker war.

07.06. Mittwoch Heute steht Barcelona auf dem Programm. Mit dem Taxi geht es zum Bahnhof nach Comaruga und mit dem Zug nach Barcelona.

Die Sagrada nach fast 120 Jahren "fast" fertig

Zuerst mal sehen, wie weit die Spanier mit dem Bau der Sagrada (http://www.sagradafamilia.org/eng/index.htm) gekommen sind. Da wir mit unseren Kindern 10 Jahre vorher schon einmal hier waren, konnten wir vergleichen. An der Sagrada wird schon über 100 Jahre gebaut, alles mit Spendengeldern finanziert. Man kann bis in die hohen Türme hinauf steigen, ca. auf 110 Meter. Es fährt aber auch ein Aufzug. Es ist schon imposant von oben auf einen Dom oder Kathedralenbau herab zu blicken. Dann, nach dem Mittagessen in einer kleinen typischen, wie nennt man sowas: Bodega? Bar?, egal, war trotzdem schön und das Essen war auch gut, ging es auf die Ramblas und von dort in eine Seitenstrasse, man sieht es sofort, in eine wunderschöne Markthalle. Das reichhaltige Angebot an frischen Fischen, Meeresgetier, Backwaren, Fleisch, Würsten, der Duft der Gewürze und vor allem, das außergewöhnlich üppige Angebot an frischen und lecker präsentierten Früchten zog uns so in seinen Bann, dass wir nicht merkten, dass jemand unsere Digikam incl. Fototasche gestohlen hatte. Die schönen Fotos von der Herfahrt und unseren Ausflügen, die Vergleichsbilder von der Sagrada: alles weg! WUT!! Heul!! 200 € futsch. Möge ihn der Durchfall plagen und der Blitz ihn beim Sch ... treffen. Irgendwie ist uns die Lust auf weiteren Stadtbummel vergangen. Immerhin ergattern wir noch einige Mitbringsel, um dann wieder mit dem Zug nach Hause zu fahren.

08.06. Donnerstag Heute ist Werkstattsuche angesagt, eine „Soldatura“ ist nötig. Die Halterung des Luffikastens ( bei der Taurus ist das ein schön praktiches Teil, um Motoröl und Schmierkram rein zu tun) war gebrochen, aber erst als wir schon hinter Barcelona waren. Beim Bergauffahren, eine Stützmauer neben der Strasse, veränderte sich plötzlich das Geräusch: ein Schnarren hatte sich dem Böllern hinzugesellt. Wenn man dann nur ein losgewackeltes Teil entdeckt, ist man gleich beruhigt. Solang es rappelt, ist es noch dran. Der Sicherheitsmensch vom Campingplatz schickte uns nach Roda de Bera in eine Autowerkstatt, aber irgendwie hat dort keiner den Mut, und sie schicken uns weiter in den Ort zu einem Motorrad- und Quad-Händler. Wieder zuerst mal großes Erstaunen wegen Diesel-Motorrad und dann Schweißen am Behälter? Erst als ich das Ding aufmache und nur Zeugs drin ist und der Chef sehen kann, dass nur der Halter an einer Seite gebrochen ist, kommt er in Schwung. Der Chef nimmt sich persönlich der Sache an und braust mit seinem Quad zu einer Werkstatt zum Schweißen. Kommt jedoch bald wieder unverrichteter Dinge zurück. Jetzt schickt er den Azubi in eine andere Richtung. Der ist nach kurzer Zeit erfolgreich wieder zurück. Es dauert aber noch eine Weile, bis die Farbe trocken ist und deshalb nutzen wir die Gelegenheit, in einer nahen Bar noch einen Cortado (Espresso mit Milch im kleinen Glas) zu trinken für 1 €. Warum ist bei uns immer alles so teuer? Da unsere Kamera geklaut wurde und ich nicht ohne Bilder fürs Wicki von der Enni in Spanien zurückkommen wollte, kaufte ich eine von den Einmaldingern. Besser als nix. Schnell ist wieder alles verschraubt. Kosten 5 € . Bewundernde Blicke beim Anwerfen und Wegfahren. Die Enni hört sich wieder gut an.

Markthalle Vendrell
feines Zeug überall


09.06. Freitag Markttag in El Vendrell! Leider wird das Wetter wieder etwas schlechter: trübe und kalter Wind, Sommer ist anders. Beute aus der Markthalle: Obst, Gemüse und natürlich einen feinen Fisch für den Grill. Abends tröpfelt es leicht.

10.06. Samstag Wir werden heute von leichtem Regen geweckt. Mist! Den ganzen Tag ist es trübe, hin und wieder ein paar Tropfen Regen. Gegen Abend machen wir einen

schönes Fischerörtchen Roc de Sant Gaeita
verwinkelte Gassen

Spaziergang an den Klippen entlang nach Roc de Sant Gaeita: ein enges, verschlungenes Fischerörtchen mit vielen Katzen. Einer Rasse, die es nur hier gibt. Schön, mit blauen Augen. Heute bleibt die Küche kalt, da es auf den Karten der hiesigen Gastronomie interessante Sachen gibt. Die Sangria nicht zu vergessen.

11.06. Sonntag Strandwetter! Abends wieder ein Spaziergang zum Roc. Zum ersten Mal brauchten wir keine lange Hose und keinen Fleecepulli. Aber in unsere Stimmung mischt sich schon ein wenig Abschiedsschmerz: noch 3 Tage! Schade! Während der letzten Tage wurde ein weiterer Bungalow in unserer Nähe von einem Bikerpaar bewohnt. Sie kamen aus Viersen/Aller. Er war mit dem Motorrad, einer 750 Honda Four von ca. 74-76, gekommen und seine Sozia musste mit dem Bus bis Barcelona fahren, wegen dem Gepäck. Die beiden wollten noch auf das am 16.-18.06 In Calafell stattfindende Harley Treffen. Und wegen dem Zelt und den Schlaftüten musste die Ärmste mit dem Bus hierher fahren und heim natürlich auch.

Gertrud und Peter fertig zur Heimreise

15.06. Donnerstag Um 9.00 Haben wir die Schlüssel von Häuschen abgegeben. Jetzt schnell noch mal Pippi machen. Die Taurus parkt derweil vor dem Waschhaus und zieht wieder die Blicke auf sich. Es ist eine angenehme Temperatur, zum Fahren nicht zu warm, wegen der Motorradbekleidung. Das waren eigentlich meine Bedenken. Noch mal an die Tankstelle zum Tanken. Wieder hab ich den Tankwart nicht gewarnt, dass jetzt ein Motorrad Diesel tankt, schon kommt er raus gesaust, um mich vor meinem „Fehler“ zu bewahren. Aufmerksame Tankwarte in Spanien das. Dann geht es auf die Piste, genauer: „Auto Pista 7“ die Standardstrecke um Barcelona rum, etwas langweilig zwar, aber flott. Selbst in Spanien machen die Lkw keinen Stress, nur bei uns in D.(oof)land tschuldigung. Vielleicht liegt es am fehlenden Tempolimit. Bei 180 oder 200 stört ein langsames Motorrad eher, als bei 130 und auch der Lkw kann nicht so leicht auf eine andere Spur wechseln, wenn der sonstige Verkehr schneller ist. Hab immer die Dinger etwas im Auge behalten, bin dann manchmal ein Stück auf dem Standstreifen gefahren. Fast durch die Bank weg haben sich alle Trucker bedankt. Und dann im Sog schnell wieder auf die Spur, dann kommt man hübsch schnell vorwärts. Nach irgend einer Zahlstelle überholte uns ein Pkw: der Beifahrer hatte die Scheibe unten und rief uns etwas zu, auf Spanisch, das wir ja nicht verstehen. Gleich hielten wir auf dem Standstreifen, Ich dachte, er meinte unser Gepäck sei lose. Das sah aber nur so aus, alles andere schien in Ordnung. Dass es wahrscheinlich nicht so war, sollten wir später merken. Mit günstigem Wind, er kam von hinten, kamen wir gut voran. Irgendwo in der Nähe von Girona verließen wir die AB weil wir sonst zu schnell ( gibt es wirklich!) vorwärts gekommen wären. Denn: der Weg ist das Ziel. Irgendwo gab es ein Einkaufszentrum und eine Tankstelle (dieser Tankwart war nicht aus der Ruhe zu bringen) Mittagessen! Dort befragten wir auch zum letzten mal die spanische Karte und zuletzt noch einen Cortado zum Abgewöhnen. Über die Grenze nach Frankreich ging es wieder über die Passstrasse. Im Grenzort Perthüs ein ziemliches Gewimmel wegen dem billigen Benzin und den Zigaretten. In Le Boulou kamen wir wieder auf die französische AB. Bei einer Rast entschieden wir uns, wenn noch möglich, bis nach Nimes zu fahren. Für heute hatten wir unser Ziel zeitig erreicht. Wieder ein F1 Hotel.

16.06 Freitag Wie üblich Weiterfahrt nach dem Frühstück ca. 8.00Uhr. Heute stand die N 86 und die Ardèche auf dem Programm: ein schöner Abschluss vor der endgültigen Heimfahrt. Eine Weile auf der N 86 gefahren, beschlossen wir einem Schild zur Pond du Gard zu folgen. Leider war der Parkplatz zu weit weg, um das Motorrad mit dem ganzen Gepäck dort abzustellen und bis in Sichtnähe zu fahren ging auch nicht. Schade. Also fuhren wir weiter Richtung Uzès, um dann über eine kleine Strasse wieder zurück auf die N 86 zu kommen.

Datei:Markt in Uzès.jpg
leckere Sachen vom Markt in Uzès

In Uzès war gerade Wochenmarkt, eine schöne Gelegenheit, den Reiseproviant zu ergänzen: Ziegenkäse, luftgetrocknete Salami und getrockneter Schinken Dazu noch frisches Obst und natürlich ein Baguette. Die Vesper ist gerettet. Vor der Ardèche suchten wir noch eine Tankstelle. Als wir eine gefunden hatten, guckte der Tankwart mit großen Augen. Dann schickte er seine Frau einen Fotoapparat holen und rief sogleich seinen Nachbarn. Der hatte hinter der Tankstelle eine kleine Werkstatt. Zum besseren Fotografieren schob ich dann die Enni ins Licht. Hab dann auch mal gerade nach dem Öl geschaut und den Rest des Döschens, es war eine 0,3er Dose für Bremsflüssigkeit, die gut in den „Luffikasten“ passt, eingefüllt. Weil ich aber nicht gerne ohne Öl unterwegs bin und eine ganze Dose zu viel ist, fragte ich den Mechaniker aus der Werkstatt nach etwas Öl, um meine Dose aufzufüllen Aber natürlich und „Gratuit“! Danke !

und der Laie wundert sich
Da staunt der Fachman

Bald hatten wir St. Martin d. Ardèche erreicht und uns dort ein schönes Café am Fluss ausgesucht. In einem Laden erstand ich noch eine genauere Karte der Umgebung. Noch ein paar Neugierige befriedigt, dann konnte es weiter gehen. Die Fahrt gestaltete sich problemlos und wir genossen die Aussicht und die Atmosphäre dieser schönen Landschaft.

Ardèche 1
Ardèche 2

Der Verkehr hielt sich auch in Grenzen. Die meisten Fahrzeuge kamen sowieso aus entgegengesetzter Richtung. Bei jedem Halt an einem der Aussichtspunkte, und es gab viele, musste ich immer einen Haufen erklären. Es gab Leute aus der Schweiz und aus Hamburg; ein Mensch aus Holland riet mir, doch mal Flugblätter drucken zu lassen zum einfach verteilen. Sollte man ernsthaft drüber nachdenken. An einem Aussichtspunkt kamen auch einige Deutsche, Biker mit Reismopeds: KUS im Kennzeichen. Mit einem kam ich ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er selbst Enfieldhändler ist. Jetzt weiß er, dass man mit der Enni auch lange Touren machen kann.

Ardèche 3

Einige Kurven später: ein schöner Platz zum Mittag machen. Mittag ist zwar schon lange um, aber seit dem Markt am Morgen war nix mehr. Jetzt knurrt der Magen. Ein deutscher VW Bus T2 aus RT steht schon da. Der Fahrer ist ganz begeistert: er hatte uns schon fast eine ¼ Std. vorher gehört und sich gefragt, was das wohl für ein „mordsmäßiger Einzylinder“ sei, der sich da herbei arbeitet. Gelobt sei, was hart macht! Auf die Frage: „Seid Ihr von Deutschland aus hierher gefahren?“ hab ich dann geantwortet: „Nein.“ Darauf sagte er: „Ich hab schon gedacht!“ Hab ihn dann aufgeklärt, dass wir nicht von Deutschland hierher gekommen sind, sondern dass wir von Spanien gekommen sind. Schön geschaut hat der.

Ardèche 4

Der Sound ist im Tal durch das Echo besonders gut. Ein weiterer Hingucker in der Ardèche ist die Pont d Arc bei Valon-Pond-Arc.

Der Bogen

Dort hat sich der Fluss ein Loch durch die Felswand gegraben. Als nächstes steht der Ort Vogüè an. Ein netter Ort mit schöner Aussicht auf den Fluss und einigen Sachen zum gucken. Wir kehrten in ein Lokal ein. Es war richtig schön warm und entsprechend durstig waren wir. Eine Toilette wäre auch nicht übel. Leider ist da nur ein Stehklo. „Toilett á la türk“. Lassen wir`s halt. Nach dem Ort haben wir das Tal verlassen. Eine lange, leicht abschüssige Strecke liegt vor uns. Jetzt geht es auf in Richtung Lyon zu unserer letzten Übernachtung. Plötzlich ein Gefühl als wäre das Hinterrad etwas weggerutscht; dann immer mehr. Beim Gegenlenken fängt es sich wieder, um gleich nach der anderen Seite auszubrechen. Das sah bestimmt aus wie beim Sandbahnrennen, nur mit zwei Personen und Gepäck und wir brauchten die ganze Fahrbahn. Die Haltungsnote war zwar gut, aber trotzdem hat es uns mächtig hingehauen. In Schräglage sind wir dann auf dem Asphalt gerutscht bis unsere Fuhre an einer Fahrbahnbegrenzung einschlug. Nach ein paar Sekunden dann die Probleme beim Aufstehversuch: große Schmerzen in der linken Hüfte, Sehstörung auf dem linken Auge und das übliche: ein paar Prellungen am Ellenbogen und der Hand. Gertrud hatte im Moment keine ernsteren Blessuren. Im Moment! Sogleich waren Helfer zur Stelle, die waren im Pkw hinter uns und einer kam uns entgegen. Sie hoben die Taurus von uns runter. Die lief noch mit eingelegten Gang, und durch den verbogenen Lenker kam man nicht an den Absteller. Nach einer Zeitlang konnte ich mich dann doch hinstellen. Wenigstens nix gebrochen. Gertrud war inzwischen mit einem der Helfer nach Hause gefahren, wir waren in einem Funkloch und das Handy ging nicht, um die „ Bombers“ anzurufen. In dieser Gegend macht die Feuerwehr den Rettungsdienst. Dort konnte sie auch dem ADAC unser Missgeschick melden. Diese wollten sich dann um unser Motorrad und um eine Übernachtungsmöglichkeit kümmern. Inzwischen war der Rettungswagen der Feuerwehr angekommen. Nach einer kurzen Untersuchung hat er uns dann mit unserem nötigsten Gepäck nach Aubenas ins Krankenhaus gerbracht. Glücklicherweise hatten wir alles Wichtige im Kleidersack und dem Tankrucksack, so dass wir das Motorrad bei den Helfern lassen konnten. Diese versicherten uns, auf den vom ADAC bestellten Abschleppwagen zu warten und alles zu erledigen.

Heul :-{
Der Hans wird`s richten

Im Krankenhaus, nach einer gründlichen Untersuchung, dann Entwarnung: nix kaputt, nur mächtige Prellungen am Beckenkamm und eine geprellte Rippe wegen der Kamera in der linken Brusttasche der Jacke. Gertrud hatte sich die linke Schulter geprellt und den linken Oberschenkel. Sie hat erst nach 3 Tagen heftige Beschwerden bekommen, das hat dann nachher ausgesehen, wie vom Pferd getreten. Bei mir hat außerdem der Vollhelm schlimmeres im Gesicht und besonders am Kinn verhindert. In der Ardèche ist nämlich ein sehr grober Strassenbelag verbaut. Die Übernachtung in Aubenas war in einem Ibis-Hotel, das dann der ADAC bezahlt hat. Am nächsten morgen bekamen wir dann einen Anruf vom Club: Es kommt ein Taxi, das fährt uns zu unserem Motorrad nach Ruoms. Wir können noch einige Sachen holen: Motorradjacke, Helme usw. und von dort nach Montelimar zum TGV. Alle Tickets liegen bis spätestens 12.30 Uhr zur Abholung bereit. Der Taxifahrer musste ganz schön rantreten.

Ende der Reise Montelimar

13.10 Uhr: TGV nach Paris, Ankommt 16.10 Gare de Lyon; 16.52 Uhr ICE nach Frankfurt über Metz u. SB bis 21.00 Uhr nach Homburg, am anderen Ende der Stadt ab Gare de l‘ Est: fast nicht zu schaffen! Unser Taxifahrer, den wir hatten, sagte „Unmöglich“. Am Bahnhof angekommen, herrschte Baustellenbetrieb, mit Bretterwänden war alles zugebaut wie ein Tunnel. Zum Glück, denn so konnte ich geradeaus am Tunnelende, wie mit der Lupe, unsere Gleisnr. sehen. Unser Zug stand schon bereit. So schnell es ging sind wir hingeeilt. Als wir den letzten Wagen bestiegen hatten, hat der Schaffner gerade das Zugtelefon eingehängt. Abfahrt. In Homburg/Saar angekommen, ließen wir uns vom Bahnhof abholen. Eigentlich wären wir mit der Taurus auch so ungefähr um 20.00 Uhr zu Hause angekommen und dann wären wir mit unserer Enni mitsamt unserem Gepäck zum Treffen unseres heimatlichen Motorrad Vereins des MFU (Motorradfreunde Urexweiler ) gefahren. Doch erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Ein versierterer Fahrer als ich (1 Jahr Praxis) hätte die Situation vielleicht besser gemeistert. Es ist halt wie beim Skat, diejenigen neben dem Spiel sind halt immer klüger. Ich jetzt auch.

Schäden: beide Gabeltauchrohre, untere Gabelbrücke, Scheinwerfer, Kotflügel vorn samt Halter, Lenker, Lampenschirm, Lenkergriffe, Kupplungshebel, Brems- und Kupplungszug, Reifen hinten und Schlauch, 3 Speichen vom Hinterrad. Die Ursache war entweder ein abgerissenes Ventil wegen Luftmangel im Reifen oder weil der original indische Schlauch zu alt war. Oder eine gerissene Speiche hat den Schlauch durchstochen. Ich tendiere eher auf zuwenig Luft im Reifen, das würde die Sache mit dem Autofahrer an der Zahlstelle vom Vortag erklären. Der ADAC hat die Taurus 14 Tage später in eine Werkstatt im Ort gebracht. Von dort habe ich die Enni zu meinem Schrauber, dem Hirtz Hans, gebracht. Innerhalb von nicht mal 10 Tagen hat der sie wieder gesund gemacht: SUPER!! Einige Narben bleiben zwar: vermackte Koffer, Lackkratzer in den Hüllrohren von der Gabel. Was soll`s! Mein Beckenkamm tut ja auch noch weh. Vor jeder Fahrt mit Sozia wird jetzt nach der Luft geschaut!

konnte man bei zugucken


Urexweiler 05.01.07 Rußgruß Peter

Persönliche Werkzeuge