Kroatienfahrt

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Kroatienfahrt mit der Hatz-Diesel

Die Enfield auf der Magistrale
Die Katarakte
Die Rückfahrt


Mit einem 11 PS – Motorrad nach Kroatien und zurück – geht das denn?? Ja und ob und wie! Nach längerer Erfahrung und Einfahrzeit mit meiner Sommer-Hatz-Diesel ist in mir der Entschluss gereift, mir den jährlichen Flug zum Fischen nach Kroatien zu sparen und mit dem Motorrad zu fahren. Meine Eltern nahmen das Gepäck im Auto mit, so dass ich sehr leicht unterwegs sein konnte. Nach einer Inspektion und vorsorglichem Tausch des Gaszuges ging es am 15.5.2004 gegen 07.00 Uhr los.

1.Tag

Von Pirmasens über Karlsruhe, Stuttgart München, Salzburg zum Loiblpass an der Grenze zu Slowenien. Die Etappe verlief absolut problemlos. Ein wenig Bammel hatte ich vorher vor dem Drakensteiner Hang am Alpaufstieg hinter Stuttgart. Aber richtig warmgefahren ging die Hatz dort hoch wie nix. Ein Tankstop bei München und einen an der österreichischen Grenze, im ganzen eine Etappe von 850 Km bis zur Ankunft am Gasthaus "Zum Deutschen Peter" um 18.00 Uhr. Allerdings hatte ich zwischen München und Salzburg doch einige Staus (leider wegen hohem Aufkommen von Verkehrswacht kein größeres Vorbeikommen).

2.Tag

Vom Loiblpass über Ljubljana, Rieka, Zadar nach Sibenik – Ziel der Reise. Regen. Also, rein in den Regenkombi und den Pass entlang. Er ist sehr unproblematisch mit einer Scheitelhöhe von 1350 mtr. Man spart sich den Karawanken-Tunnel und die zugehörige Maut (6,50 €). Den Abstecher bei der KZ-Gedenkstätte am Fuß des Passes habe ich mir dann wegen des Wetters auch erspart. Es hat wirklich wie aus Kübeln gegossen. Erst nach der Überquerung der kroatischen Grenze vor Rijeka ließ der Regen dann nach, um vor Übergang auf die Küstenstraße (Magistrale) dann gänzlich zu verschwinden.

Es folgten entspannende Kurven auf der Magistrale. Diese Straße ist mit Sicherheit eine der schönsten Strecken in Europa – leider auch eine der gefährlichsten. Der immer kurvige Verlauf zieht sich mal direkt am Wasser und durch malerische Küstenstädtchen, mal steil bergan kletternd auf über 500 Höhenmeter an atemberaubenden Steilküsten entlang. Eine Sicherung am Rande der Strecke ist im Norden selten, im Süden überhaupt nicht mehr vorhanden. Nach längeren Trockenperioden ist die Magistrale bei einsetzendem Regen wegen Glätte (Salz) nicht mehr befahrbar. Die Autowracks am Fuße der Straße erzählen Geschichten von denen, die es besser wussten. Mich hat gegen Mitte der Strecke die berüchtigte Bora erwischt. Es handelt sich um einen kalten Fallwind, der - ähnlich wie der Mistral in Südfrankreich - aus Nordosten kommend sich an den an dieser Stelle 1600 mtr hohen Bergen reibt.

Böen bis zu 70 km/Std versuchten, meine Ennie ins Meer zu drücken. Nach einigen heftigen Schlangenlinien entschloss ich mich, hinter einem Felsblock Deckung zu suchen und ein wenig abzuwarten. Tatsächlich ließ die Bora nach einer Stunde nach, so dass ich weiterfahren konnte.

Kroatien baut seit einigen Jahren an einer Nord-Südautobahn. Vor Zadar sind Richtung Sibenik auch schon ca. 30 km fertig. Das Problem ist, dass die Bahn im Moment noch im Nichts endet. Dazu muss man wissen, dass dort, die Gegend um Benkovac, im Krieg ein Hauptschauplatz war. Die Gegend, durch die man dann kommt, ist immer noch von diesem Konflikt gezeichnet. Zerstörte und verlassene Dörfer reihen sich hinter einander, und die Straße besteht eigentlich nur aus Schlaglöchern.

Teilweise kann man nur noch 30 km/h fahren.

Nach annähernd 2 Stunden (für 60 km) komme ich gegen 17.00 Uhr nach Sibenik, das Ziel meiner Reise, und tanke.

Direkt bei Sibenik liegt der Krka-Nationalpark, den man auf keinen Fall versäumen sollte.

Im Frühjahr ist so richtig viel Wasser auf den Katarakten unterwegs.

Überall bei meinem Aufenthalt war die Hatz ein Zentrum des Interesses.

Am Zoll wurde sogar mein Ausweis eine Zeitlang behalten, damit auch alle kroatischen und slowenischen Zöllner sich die Dame angucken konnten.

Nach 10 Tagen Fischen und ausruhen ging es dann zurück in die Pfalz.

Auch auf der Rückreise lief die Ennie wie ein Uhrwerk. Allein in Slowenien begann es wieder wie aus Kübeln zu Regnen. Entgegen meines ursprünglichen Vorhabens, wieder über den Pass zu gehen, nahm ich nun doch den Tunnel.

Die Temperatur fiel zusehends von 16 Grad auf ca. 4 Grad vor den Tunneln. Ich entschloss mich daher, eine Unterkunft zu suchen. Ich fand auch ein nettes Hotel in Rennweg, mit einer Heizung, an der ich meine ganzen Klamotten trocknen konnte. Der nächste Tag war gekennzeichnet durch Vollgas von den Tunneln bis in die Pfalz. Geschätzt ca. 110 – 115 km/h bergab von den Alpen.

Alles in allem hat sich die Hatz als ein ideales Reisemotorrad erwiesen, geringer Spritverbrauch (ca. 2,3 – 2,6 ltr). Was die Spritqualität angeht, ein Allesfresser (auch der Schwarze Diesel in Kroatien) ohne nennenswerten Ölverbrauch (gesamt 0,2 ltr) und ohne jegliche mechanische Probleme.

Durch meine Umrüstung auf Einzelsitz war die Fahrt eigentlich auch sehr komfortabel.

Trotz meines Kreuzproblems (Scheuermannscher Wirbel) keine Schmerzen und keine Verspannungen am nächsten Tag. Ich möchte allen Hatzfahren Mut machen, doch auch mal eine größere Tour zu machen.

Alls Gebrauchsmotorradfahrer standen die Stecken zwar für mich nicht so sehr im Vordergrund, aber Spaß machen solch schöne Strecken natürlich schon.

Alles in allem hat mir die Tour Lust auf mehr gemacht.


Ausrüstung:

  • Sommer Hatz Diesel auf Basis der Enfield Bullet 11 PS 195 Kg Gewicht
  • 14,5 Liter Tankvolumen
  • 0,5 Liter Reservesprit (nicht gebraucht)
  • 0,5 Liter Dieseladditiv (gebraucht beim österreichischen Sprit – schlappes Zeug)
  • Ersatz-Kupplungszug (nicht gebraucht)
  • Ersatz-Gaszugsseil (nicht gebraucht)
  • Regenkombi (gebraucht – leider)
  • Mini-Kettenspray (gebraucht – gell Jochen)
  • Übernachtungskoffer
  • Digitalkamera und Handy in Gefrierbeuteln wasserdicht eingepackt.


Ein Bericht von Ralf Engelberger

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