Gaszug wechseln

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Da ich gestern zum ersten Mal das Vergnügen hatte, bei meiner Bullet Sixty-5 (BJ 2005) den Gasbowdenzug zu wechseln, hier nun eine kleine Anleitung für Schrauber-Anfänger, die wie ich selbst technisch nicht so sehr begabt sind.

Benötigtes Werkzeug

  • Zwei 14ner Maulschlüssel (oder die zöllischen Pendants)
  • Kreuzschlitzschraubendreher
  • Kleiner Schlitzschraubendreher
  • Zwei linke Hände ;-)

Benötigtes Material

Einen neuen Gasbowdenzug passend für dein Bullet Modell (Es gibt wohl 2 Versionen von Gasbowdenzug. Einen mit roter Kennzeichnung in der Mitte des Mantels und einen ohne Kennzeichnung. Der mit rotem Ring in der Mitte ist für die Bullet Sixty-5, der ohne für die Bullet 500 Standard - zur Not einfach den alten Bowdenzug ausbauen und nachschauen).

Arbeitsschritte

  1. Gasgriffamatur (Beschreibung für MINDA Amaturen) auseinanderbauen
  2. Gasgriff abbauen
  3. Hintere Befestigung des Tanks lösen
  4. Tank hinten ein wenig nach oben heben
  5. Vergaserkappe aufschrauben
  6. Nadelschieber ausbauen
  7. Alten Gaszug entfernen
  8. Neuen Gaszug verlegen
  9. Gaszug in den Nadelschieber einhängen
  10. Nadelschieber in Vergaser einsetzen
  11. Gasgriffamatur zusammenbauen und Bowdenzug am Gasgriff einhängen
  12. Funktion testen

Schritt 1 - Gasgriffamatur (Beschreibung für MINDA Amaturen) auseinanderbauen

Die MINDA Amaturen sind sehr schnell auseinandergebaut, es müssen lediglich 2 Schrauben gelöst werden, die allerdings nur von unten erreichbar sind. Die erste Schraube unter dem Killschalter, die zweite Schraube unter dem E-Start Schalter (wenn vorhanden). Wenn beide Schrauben gelöst sind, lässt sich die Amatur "aufklappen" und du kannst den Gasgriff einfach vom Lenker abziehen.

Schritt 2 - Gasgriff abbauen

Also runter mit dem Gasgriff und weg mit dem alten Nippel des Bowdenzugs, der noch in dem dafür vorgesehenen Loch eingehängt sein sollte. Den Lötnippel vorsichtig mit dem kleinen Schlitzschraubendreher rausdrücken. Wenn er nicht leicht rausgeht, dann den Nippel mit dem Schraubendreher so drehen, dass der Rest des Zuges nach oben zeigt, denn nur dort ist das Loch ja geöffnet, so das man den Zug ein und aushängen kann.

3. Hintere Befestigung des Tanks lösen

Der Tank ist vorne und hinten mit zwei Steckachsen befestigt. Bei meiner Bullet Sixty-5 sitzt auf den Enden der Steckachsen jeweils eine 14ner Mutter. Die hintere Steckachse muss entfernt werden, damit wir den Tank hinten ein wenig anheben können, da sonst der Vergaserdeckel nicht abgeschraubt werden kann, weil der Abstand nach oben zum Tank zu gering ist. Also fix losgeschraubt und die Steckachse gezogen.

4. Tank hinten ein wenig nach oben heben

Jetzt also den Tank hinten vorsichtig ein wenig anheben. Die Sitzbank (wenn vorhanden) überlappt den Tank ja ein wenig, also kann man Tank mit Gefühl nach oben ziehen und dann auf die Sitzbank legen, bzw die Position des Tank mit der Sitzbank fixieren. Jetzt haben wir endlich genug Platz, um ohne Probleme den Vergaserdeckel aufschrauben zu können und um den Bowdenzug samt Schieber zu "bergen".

5. Vergaserkappe aufschrauben

Gegen den Uhrzeigersinn nun den Vergaserdeckel aufschrauben und nach oben ziehen. Jetzt siehst du den Gasbowdenzug, der in das Innere des Vergasers führt. An dem Gasbowdenzug hängt der Nadelschieber des Vergasers. Wird der Nadelschieber gezogen, kann mehr Luft durch den Vergaser strömen, die dann mit Benzin versetzt und letztendlich im Zylinder gezündet wird. Das aber nur als ganz grobe Erklärung.

6. Nadelschieber ausbauen

Jetzt vorsichtig am freigelegten Bowdenzug ziehen und es erscheint auch schon der Nadelschieber. Diesen dann ganz rausziehen, dann sieht man auch schon die Schiebernadel (oder auch Vergasernadel). Den Nadelschieber weiter nach oben ziehen, bis man diesen samt Nadel entnehmen kann. Du solltest jetzt folgende Teile in der Hand haben: Nadelschieber mit Nadel, dann kommt der alte Gasbowdenzug, an dem der Schieber hängt, dann kommt eine Feder und dann der Vergaserdeckel. Wichtig: Vergaserteile sollten niemals mit Dreck in Berührung kommen. Schmutz und Vergaser hassen sich nämlich wie Gott und der Teufel. ;-)

7. Alten Gaszug entfernen

Wenn du von oben in den Nadelschieber reinschaust siehst du, dass der Gaszug seitlich aus dem Boden des Nadelschiebers herauskommt. Am Boden des Nadelschiebers ist ein kleines Metallplättchen, das zur Sicherung des Lötnippels des Gaszugs dient. Das Plättchen musst du nun vorsichtig entfernen. Dazu einfach den Nadelschieber umdrehen, so dass es dir in die offene Hand (und nicht in den Dreck) fällt, oder einfach vorsichtig mit dem Finger oder mit dem Schraubendreher nachhelfen. Ist das Plättchen entfernt, kannst du das Ende des Gasbowdenzugs zur Mitte des Nadelschieberbodens führen und entnehmen. Nun hast du den Nadelschieber einzeln in der Hand und kannst auch die Feder und die Vergaserkappe vom Bowdenzug trennen. Alle Einzelteile gut weglegen - z.B. auf ein Tuch, auf jeden Fall dahin wo es nicht staubig und schmutzig ist. Dann kannst du den alten Gasbowdenzug samt Mantel in der Regel einfach rausziehen. Vorher aber besser noch mal schauen, wie der alte Zug verlegt war, denn jetzt geht es daran, den neuen Zug zu verlegen.

8. Neuen Gaszug verlegen

Führe den Gaszug am oberen Rahmenrohr, also unter dem Tank her, linksseitig vorbei, bis das Ende des Gaszugs in der Nähe des Lenkkopfs erscheint. Wichtig: Der große Lötnippel am Zug kommt an den Gasgriff, der kleine Lötnippel an den Nadelschieber. Dann schiebst du den neuen Zug vor dem Lenkkopflager, also zwischen Lampe und Lenkkopf, weiter Richtung Gasgriff bis das Ende die ungefähre Endposition erreicht hat. So liegt der Zug bei mir auch und ich hatte keine Probleme - auch nicht beim Lenkereinschlag - mit dieser Lage. Der neue Gaszug ist damit verlegt.

9. Gaszug in den Nadelschieber einhängen

Nun muss der neue Bowdenzug wieder in den Nadelschieber eingehängt werden. Also erstmal die Vergaserkappe wieder auf den Zug schieben, dann die Feder. Jetzt brauchst du etwas Fingergeschick, aber eigentlich geht es ganz gut, da die Vergaserteile alle recht groß sind. Bei kleineren Vergasern ist das viel friemeliger: Nimm den Nadelschieber in die linke Hand. Drücke mit zwei Fingern der rechten Hand nun die Feder ganz in den Vergaserdeckel. Nun mit der Linken Hand am Lötnippel des Bowdenzugs ziehen, so dass er soweit wie möglich raussteht. Jetzt den Lötnippel in die Lötnippelaufnahme in der Mitte des Bodens des Nadelschiebers einführen und dann leicht nach außen ziehen. Da ist so ein kleiner Kanal, in den der Lötnippel dann leicht einrastet. Jetzt mit der rechten Hand ein wenig Fingerakrobatik ausüben und Nadelschieber nach unten drücken, während man gleichzeitig noch die Feder und den Deckel sichert. Dadurch wird nämlich die linke Hand frei, um das Plättchen, das den Gaszug sichert, wieder in den Nadelschieber einzusetzen. Das sichelförmige Plättchen hat an zwei Stellen kleine Vorsprünge, von denen eines nach oben und eines nach unten gebogen ist. Das Plättchen muss so eingesetzt werden, dass der Vorsprung, der nach unten gebogen ist in Richtung des Gaszugs zeigt. Am Boden des Nadelschiebers ist dafür eine Einkerbung, so dass unser Plättchen dort einrasten kann. Wenn das Plättchen eingesetzt ist, einfach vorsichtig die Feder freigeben, so dass die Feder das Plättchen festdrückt und der Gaszug nicht mehr rausrutschen kann. Damit ist der schwierigste Teil geschafft.

10. Nadelschieber in Vergaser einsetzen

Nun muss der Nadelschieber wieder in den Vergaser eingesetzt werden. Während des Einsetzens solltest du beachten, den Deckel des Vergasers ein wenig nach unten zu drücken, damit die Feder genug Druck aufbauen kann, um das Plättchen zu sichern, sonst kann es passieren, dass sich der Gaszug wieder löst und Schritt 9 wiederholt werden muss. Der Nadelschieber hat an einer Seite eine Einfräsung/Führungsschiene von oben nach unten. Im Inneren des Vergasers ist an einer Stelle eine entsprechende Nut, so dass der Nadelschieber nur in einer Position eingebaut werden kann. In der Regel ist es so: Wenn du von der rechten Seite des Motorrads auf den Vergaser schaust, dann muss die Führungsschiene des Nadelschiebers genau zu dir zeigen, also wenn du direkt draufschaust, dann sollte es passen. Zur Not einfach mal den (sauberen!) Finger in den Vergaser stecken und fühlen. Die Nut lässt sich sehr deutlich ertasten. Also nun den Nadelschieber nehmen, die Führungsschiene entsprechend ausrichten und in den Vergaser einsetzen. Dabei wie oben schon beschrieben mit einer Hand ein wenig auf den Vergaserdeckel drücken, damit die Feder genug Spannung aufbaut. Wenn der Nadelschieber ohne Probleme und Wiederstand gänzlich im Vergaserinneren verschwunden ist, einfach nur noch den Vergaserdeckel ganz runterdrücken und wieder auf den Vergaser schrauben. Nun kannst du am oberen Ende des Gasbowdenzugs schon mal ziehen und die Funktion des Nadelschiebers überprüfen. Der Zug sollte sich ca. 3 cm ziehen lassen, bevor der Schieberanschlag erreicht ist, dann dürfte es passen.

11. Gasgriffamatur zusammenbauen und Bowdenzug am Gasgriff einhängen

Nun muss der Zug natürlich noch oben am Gasgriff wieder eingehängt werden. Dazu einfach die Gasgriffamatur wieder in der ungefähren Endposition auf den Lenker legen und den Gaszug von unten in das entsprechende Loch einführen. Nun den Gasgriff wieder auf das Lenkerende aufschieben, bis die Führung des Gaszugs wieder in der Gasgriffamatur ist. Jetzt mit ein wenig Gefummel den Lötnippel in das Loch in der Führungsschiene am Gasgriff drücken, so dass der Zug in der Führungsschiene sitzt. Dann noch die Gasgriffamatur in der Endposition zusammendrücken und die zwei Schrauben wieder einschrauben, um die Amatur zu verschließen.

12. Funktion testen

Ermstal ein wenig am Gasgriff drehen. Dreht alles wie früher? Wenn ja, dann gut, wenn nein, dann hängt vielleicht der Vergaserschieber doch irgendwie falsch, in dem Fall nochmal prüfen. Ansonsten: Ankicken/Anlassen, und dabei in Reichweite des Killschalters sein, man kann schließlich nie wissen. Wenn die dicke Inderin ohne Probleme läuft: Draufsetzen und erstmal eine Runde drehen. Viel Spaß! :-)


Ich hoffe ich konnte damit ein wenig helfen. Bei mir hat der Gasbowdenzugwechseln jedenfalls gestern genau so ohne Probleme funktioniert, aber garantieren kann ich für nichts. Wie gesagt: Im Bereich Technik bin ich selbst Anfänger.

raufaser

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