Einfahrvorschriften
Aus EnfieldWiki
Von Carsten: Die Notwendigkeit des Einfahrens ist relativ einfach erklärt. Die Oberflächen zwischen Zylinderwand und Kolbenringen sind von der Bearbeitung mikroskopisch rauh. Obwohl sich ein Ölfilm bildet, reibt noch Metall auf Metall. Das schleift sich beim Einfahren ab, dabei passen sich die Teile optimal aneinander an und gleiten später auf einem Ölfilm. Während der Einfahrphase wird der Motor also wesentlich heißer, als später im Normalbetrieb. Der Kolben ist aus Alu, der Zylinder aus Grauguß. Der Kolben dehnt sich stärker aus als der Zylinder. Das erforderliche Spiel ist für den Betrieb nach der Einfahrphase berechnet. In der Einfahrphase mit der erhöhten Reibung wird aber alles viel wärmer, die betroffenen Teile dehnen sich weiter aus, und der Motor wird noch heißer.
Was heißt das für das Einfahren? Der neue Motor wird schon bei niedrigen Drehzahlen sehr warm! Richtig kritisch sind die ersten 200 km. Wenn der Kolben sich so stark ausdehnt, daß bei unveränderter Gasstellung die Leistung nachzulassen scheint, hat er sich so stark ausgedehnt, daß er im Zylinder zu klemmen beginnt. Sofort Gas weg! So etwas willst Du unbedingt vermeiden.
Richtig einfahren heißt, nicht mit zu hoher und auch nicht mit zu niedriger Drehzahl zu fahren; der Motor soll immer schön rund laufen. Also bitte auch nicht untertourig. Die ersten 200 km fährst Du wirklich besser nicht schneller als 50-60 km/h; früh hochschalten und vor dem Herunterschalten Gas wegnehmen, das zieht Öl zwischen Zylinderwand und Kolbenringe. Wer gut schmiert, fährt gut. Der Ölverbrauch ist anfangs sicherlich sehr hoch, also nach jeder Fahrt - bei längeren Ausflügen auch zwischendurch - kontrollieren und auf max. auffüllen. Regenwetter ist zum Einfahren ideal: Mehr Kühlung.
Wenn Du merkst, daß der Motor immer williger Gas annimmt, erhöhst Du die Geschwindigkeit für ein bis zwei Minuten um 10 km/h und läßt Dich danach auf die vorherige Geschwindigkeit zurückfallen. Damit fährst Du ein paar Kilometer weiter, so daß der Motor wieder abkühlen kann. Dann wirst Du wieder 10 km/h schneller, nur etwas länger. Wenn Du die erhöhte Geschwindigkeit bergab fahren kannst, reduziert das die Belastung. Nachdem Du das Spielchen mit den +10 km/h eine Weile mit immer längeren "Schnell-Strecken" gemacht hast, ist der Motor für die höhere Geschwindigkeit eingefahren. Dann kannst Du die nächsthöhere Geschwindigkeit angehen.
Mit der beschriebenen Methode kann der Motor über 800-1.000 km eingefahren werden. Öl- und Ölfilterwechsel nach 500 und 1.000 km sind obligatorisch. Wenn Du Deinem Motor etwas gutes tun willst, spendierst Du ihm so schnell wie möglich die größeren Ölpumpen und -leitungen zum Zylinderkopf. In Europa wird i.a. schneller gefahren als in Indien (oder England in den Fünfzigern). Mit der erhöhten Ölzirkulation erreichst Du nicht nur mehr Schmierung, sondern vor allem mehr Kühlung. Sinnvoll ist auch ein Ölthermometer. Daran konnte ich z.B. beobachten, daß in der Einfahrzeit 100° bei Geschwindigkeiten erreicht wurden, bei denen das Öl später unter gleichen Bedingungen (Strecke, Außentemperatur) nur noch 70-80° warm wird. Das Thermometer steckt im Öltank, das Öl im Motor wird wärmer. Mehr als 140° sollte auch modernem Öl nicht zugemutet werden, damit es nicht seine Schmierfähigkeit verliert.
Je sorgfältiger/besser Du Deinen Motor einfährst, desto mehr Spaß wird Dir das Motorrad machen. Es erreicht dann nicht nur seine maximale Leistung, sondern hat auch eine höhere Lebenserwartung.

